Das Beben

Der Schneewald, dem Hain der Sternjäger, war in eine junge, aber kalte Winternacht getaucht. Kleine Schneeflocken glitzerten auf den Zweigen und nur wenige Lebewesen nahmen an diesem Schauspiel teil. Es sollte eine sternenklare Vollmondnacht werden, die letzten Sonnenstrahlen erstarben am Horizont. Ein Schneehase kratzte im Boden nach etwas fressbaren. Noch hatte sich der Winter nicht ganz von der Welt der zwei Monde verabschiedet und noch war das erste Grün nicht zum Vorschein gekommen. Der Hase hatte seinen Versuch eine Wurzel oder ähnliches zu finden wieder aufgegeben und verzog sich schnellstens in seinem Bau als er gedämpfte Schritte hörte.

Ihr Atem hing Himmelsstern als kleine weiße Wolke vor ihrem Gesicht, welches gedankenvolle Falten aufwies. Eine aufkommende Windböe ließ sie erzittern. Sie zog ihr Fell noch fester um sich und ließ sich nicht von den kleinen Eiskristallen auf ihrer Wange davon abhalten, weiter in den Wald hineinzugehen. Ihr Weg wurde durch einen Baum versperrt. Dieser schien vor Kurzem einem Blitz zum Opfer gefallen zu sein. Himmelsstern strich über die Borke, die unter ihrer Berührung abzubröckeln begann. Wieder sah sie in den Nachthimmel. Sie war schon eine Weile unterwegs gewesen und hatte im Grunde nur darauf gewartet, dass ihre so heißgeliebten Sterne endlich aufgingen. Es war so weit. Sie setzte sich auf den Baum und sah verträumt zu den Sternen hinauf. Unweit von Himmelsstern erwachte Windwhisper auf Grund der Kälte. Ihr Weg hatte sie schon am Nachmittag hierher geführt. Die schwachen Sonnenstrahlen ausnutzend, hatte sie sich ein Nickerchen gegönnt. Sie schüttelte sich und versuchte in ihren Fellumhang zu versinken. Windwhisper wollte eben zurück ins Lager ein, als sie ihre Drillingsschwester erblickte. Schnell war sie bei ihr und sah ebenfalls in den Nachthimmel *Sie sind schön heute, nicht wahr? * sie bekam ein Lächeln als Antwort. Die beiden drängten sich dichte aneinander und schwiegen. Zwischen ihnen mussten nicht viele Worte fallen, um einander zu verstehen, aber Windwhisper hielt das Schweigen nicht sehr lange aus. Es war schon still genug während der kalten Jahreszeit. Wieder ließ der Wind die Elfen erzittern *Phu, ist dir nicht kalt? * platzte es aus Windwhisper heraus. Himmelsstern lächelte und schüttelte den Kopf ‚Plappermaul’ dachte sie bei sich. Ihr stand nicht der Sinn danach, sich in ihr Wohnnest zu begeben und sich in wärmere Felle zu wickeln, sie wollte die Sterne sehen. Das gab sie dann auch Windwhisper zu verstehen. Diese verstand das, und ließ Himmelsstern allein. Aber auch sie wollte noch nicht wieder zurück . Also ging sie weiter in den Wald. Ihre scharfen Augen machten noch frische Tierspuren aus, denen sie  folgte. Leise beobachtete sie ihre Umgebung aus einem Versteck heraus und entdeckte einige nachtaktive Tiere.

In dieser Nacht war es Wolftrace´ Aufgabe, über den Stamm zu wachen. Er beschränkte diese Aufgabe aber nicht nur auf das Lager selbst, er hielt auch immer den ganzen Hain im Auge. Eingewickelt in dicke Felle ritt er auf seinem Wolf Luckystar und zog seine Kreise. Er kam auch zu Windwhispers Versteck. Er konnte ihre Anwesenheit lange vor dem Erblicken spüren, schließlich war sie eine seiner Gefährtinnen. Er gesellte sich zu der sich erschreckenden Windwhisper. Ihr Schrei hallte über die kleine Lichtung, woraufhin sich alle Tiere im Umkreis davon machten. Leicht enttäuscht darüber sah Windwhisper den Übeltäter an, der es gewagt hatte sich so an sie heran zu schleichen. Die Enttäuschung wurde aber von Wolftrace ganz schnell weggewischt und sie erhielt als Ausgleich einen Kuss. Beide begaben sich nun aus dem Versteck, da es nicht mehr nötig war ungesehen zu bleiben. *Was machst du hier eigentlich? * fragte Wolftrace und zog dabei Windwhisper enger an sich heran und unter seine Felle. Windwhisper hörte nun endlich auf zu frieren und das nicht nur wegen der Felle. *Einen Spaziergang? * entgegnete sie grinsend. Nach einem recht innigen Kuss, erkundigte sich Wolftrace nach Nimoë. *Ihr habt noch geschlafen, als ich im Morgengrauen das Lager verließ. Ihr Langschläfer. * ein noch breiteres Grinsen stahl sich auf ihr Gesicht, wohl wissend, dass Wolftrace darauf anspringen würde. Das tat er dann auch und empörte sich über diese Titulierung. Ein gespielter Streit war die Folge. Wolftrace meinte sich rechtfertigen zu können, wenn er Windwhispers Schnarchen als Schlafverhinderung angibt. Ein Knuffen in die Seite war Windwhispers Antwort, wobei natürlich nur ihr das Recht jemanden zu Knuffen vorbehalten war. Das musste Wolftrace doch verstehen! Somit musste dieser sich mit anderen Mittel revangieren und kitzelte sie. Beendet wurde diese Kabbelei mit einem Kuss, welcher Eisberge hätte schmelzen können.

Unterdessen hatte sich Himmelsstern von der Zwiesprache mit den Sternen gelöst und wollte nun doch ein Feuer gegen die Nachtkälte eintauschen. Auf dem Weg ins Lager kam ihr Sitar schon entgegen, ihr Drillingsbruder. Er hatte sich Sorgen um Himmelsstern gemacht, da sie für seinen Geschmack schon viel zu lange weg war. In der Nähe des Lagers, wollte Himmelsstern ein Feuer machen, stellte aber fest, dass das Holz nicht reichte. Kurzentschlossen machten sich beide auf die Suche nach Feuerholz und etwas was man dann im darüber braten lassen konnte. Ihre Suche führte sie zu Wolftrace und Windwhisper, die so vertieft waren, dass die Welt hätte um sie herum untergehen können, ohne dass sie es bemerkt hätten. Himmelsstern riss die beiden Turteltäubchen aus ihrer Innigkeit *Hey, ihr beiden. Könnt ihr euch mal lösen und uns mit Feuerholzsammeln helfen? Oder geht wenigstens jagen. * Nach anfänglichen Verständigungsproblemen schafften die beiden es dennoch sich zu einer Jagd aufzuraffen. Das umsich greifende Jagdfieber steckte Windwhisper besonders stark an. Feuer und Flamme für das Vorhaben sprang sie auf ihre Wölfin Ahyra und besorgte schnell die Waffen. Sitars Wolf Lightning und Himmelsstern Wölfin Schneeflocke ließen sich nicht lange bitten und schon war die Jagdgesellschaft unterwegs.

Windwhisper bemerkte als erste den Hirsch und gab den Anderen ein Zeichen. Die Jäger schlichen sich an das nichtsahnende Tier heran. Nach dem Gesetz galt der erste Schuss, demjenigen, der die Beute erspäht hatte. Nur Windwhisper wollte nicht und überließ den ersten Schuss den Anderen. Nach einigem Hin und Her wurde es Wolftrace zu bunt, und forderte eine Entscheidung. Letztendlich war Sitar der Schütze und sein Pfeil bohrte sich in den Hals des Hirsches. Dieser fiel zuckend zu Boden. Ein sauberer Schuss. Kein Leiden. Erfreut über den gekonnten Treffer, überließ Sitar in seiner alles überragenden Großzügigkeit den Anderen das Tier zu zerlegen. Das Ausfindigmachen der Beute sollte Windwhisper von dieser Arbeit befreien, da ihr so was gar nicht angenehm war. Somit nahmen Himmelsstern und Wolftrace allein die Ehre auf sich, den Hirsch zu zerlegen. Windwhisper ging es nicht darum, sich vor irgendeiner Arbeit zu drücken, aber sie mochte Tiere zu sehr, um sie auszuweiden, auch wenn sie sie aß. Die Anderen brachten dafür Verständnis auf. Wolftrace summte ein Lied zur Ablenkung, welches ihm seine Mutter als Welpe immer vorgesungen hatte, um ihn in stürmischen Nächten zu beruhigen. Als die beiden fertig waren, erschien Windfall. Sie hatte das erlegte Wild gewittert und war dem Geruch neugierig gefolgt. Freudig überrascht war Sitar sofort bei seiner Gefährtin. Als Gleiter war es ihm ein Leichtes mit Windfall in einer Umarmung in die Luft zu steigen, er wirbelte sie herum und küsste sie zur Begrüßung. Windwhisper drängelte darauf mit der Beute ins Lager zurück zukehren, da schon seit geraumer Zeit ihr Magen vor Hunger knurrte. Widerwillig ließ Sitar von Windfall ab und half mit, die Beute zu tragen.

Inzwischen wurde die von Himmelsstern angefangene Feuerstätte von Frostbite entdeckt. Er sah sich um, aber kein Elf war weit und breit zu sehen. Er schüttelte den Kopf ‚Können die nicht eins nach dem anderen erledigen?’ Er mochte es nicht, wenn was angefangen wird und dies nicht zu Ende gebracht wurde. Da hörte er Geräusche von den herannahenden Jägern, die von einem Geruch umgeben waren, welcher Frostbite erahnen ließ, was die Jäger mit sich führten. Und nun wusste er auch wozu die Feuerstelle hier dienlich sein sollte. Nach kurzer Absprache, wurde festgelegt, den Hirsch gleich zu zubereiten und nicht für später aufzuheben. Frostbite entfachte mit seinen Kräften das Feuer, begann mit den Flammen zu spielen, welche nach einer tanzenden Elfe aussahen. Bevor die Anderen dieses Schauspiel mitbekamen, ließ er von dem Feuer ab. Der zerlegte Hirsch wurde neben das Feuer platziert. Nun begann die Diskussion über die bestgeeignetste Zubereitung, welche so richtig losging, als Ivyleave dazu kam. Sie war mit ihrem Wolf Flammenfell unterwegs gewesen und hatte einige Kräuter gesammelt. Sie begrüßte ihren Gefährten Frostbite und bot ihre Kräuter zur Mahlverfeinerung an. Jetzt stellte sich die Frage, wohin mit den Kräutern. Den Hirsch damit füllen? Oder ihn mit Traumbeeren füllen und mit Kräutern von außen malträtieren? Das war wirklich eine existentielle Frage, welche unbedingt geklärt werden musste.

Frostbite konnte darüber nur den Kopf schütteln und faste sich an die Stirn *Ihr und essen. * Auch Himmelsstern wollte nur noch, dass der Hirsch endlich über dem Feuer hing. Ivyleave fand das alles zu lustig und wollte ihren Kräuterbeutel nur dem Chefkoch persönlich überlassen. Als immer noch keine Antwort auf diese lebensentscheidende Frage gefunden wurde, kam auch noch eine weitere Variable mit in die Rechnung hinein. Ein Hase.

Icefire hatte sich ebenfalls als erfolgreiche Jägerin betätigt und einen Hasen erlegt. Als sie vom weiten schon die Diskussion der Elfen vernahm, musste sie schmunzeln. Sie wirkten so vertraut... Mit einem weiteren Schritt zum Feuer hin, erstarb ihr Lächeln und ihr Herz begann heftig zu schlagen. Ihre Finger begannen nervös an den Zierbändern ihres Bogens herum zu spielen. Gedanken an die Vergangenheit ließen sie zögern. Schnell versuchte sie aber dieses dumme, beklemmende Gefühl durch ein Kopfschütteln zu verjagen. Seit sie wieder hier war, hatte sie nur Freundlichkeit erfahren. Sie wollte die Vergangenheit hinter sich lassen und beschloss für sich, dass es an der Zeit war, nun auch auf die Anderen zuzugehen. Gedacht, getan. Sie bot ihren Hasen als zweiten Gang an und machte den Vorschlag, die Traumbeeren als Nachtisch mit Honig zu reichen. Freudig wurde sie und ihr Vorschlag am Feuer empfangen. Bei dem Gedanken an Traumbeeren mit Honig, dachte Himmelsstern  nicht mehr an ihren Hunger, sondern nur noch an ihre Figur. Frostbite begann Wolftrace zu stacheln und sah ihn lauernd an *Mich wundert es, dass du noch nicht den Vorschlag gemacht hast, den Hirsch mit traumbeerengefülltem Hasen zu füllen. *. Dafür erntete er von Wolftrace eine gespielt wütendes Funkeln. „Haha, sehr witzig, Frostbite.“ Wolftrace wandte sich wieder dem Hirsch zu und beschloss „So, jetzt bin ich der Küchenmeister. Traumbeeren in den Hirsch und Kräuter später oben drauf.“ Nur anscheinend reichten die Traumbeeren dann doch nicht, denn Wolftrace verlangte nach mehr. Icefire hatte sich inzwischen ihre Scheu überwindend zu Windwhisper gesetzt. Jedoch konnte dies ihr Wolf Sharpear nicht einfach so hinnehmen, schließlich gehörte ihm allein Icefire. Eifersüchtig wollte er sich zwischen Icefire und Windwhisper drängeln. Das Platzproblem wurde aber zur Zufriedenheit aller Betroffenen geklärt und die beiden konnten sich in einem Gespräch über den bisherigen Tagesablauf vertiefen. Icefire musste zur Belustigung Windwhispers zu geben, dass sie anscheinend den Fischfang nicht mehr beherrschte.

Die Nacht war inzwischen weit fortgeschritten, jedoch war bei den Sternjägern keine Spur von Müdigkeit zu entdecken. Das Feuer tauchte die Gegend in merkwürdige Schatten, die auf den Gesichtern der Elfen zu tanzen schienen. Der Duft des Hirsches und der Traumbeeren verbreitete sich im Lager und zwanglose Gespräche zerschnitten die Stille.

Windfall saß eben noch zwischen den Anderen, an ihren Wolf Beißer gelehnt. Als diese von einer plötzlichen Unruhe ergriffen wurde. Nicht wissend, was sie dazu veranlasste, erkletterte sie flink einen Baum. Arbeitete sich bis zur Krone durch und sah über den Hain hinweg zu dem angrenzenden Gebirge. Irgendwas lag in der Luft... aber was? ...

Es war so urplötzlich still geworden, kein einziger Laut war zu hören, ja selbst der Wind schien gestorben zu sein. Frostbite spürte nun auch diese Unruhe, welche von Windfall Besitz ergriffen hatte. Er hob den Kopf und sah sich prüfend um. Die Stille gefiel ihm nicht. Aber das, was sie ablöste gefiel ihm noch viel weniger. So plötzlich wie es still geworden war, so plötzlich wurde es wieder laut. Die Tiere im ganzen Wald verfielen in Panik. Auch die Wölfe am Feuer wurden unruhig. Ohne ersichtlichen Grund begannen die Wölfe auf einmal zu heulen. Eine Warnung. Das war der Auftakt für das folgende Chaos, was mit seiner ganzen Wucht über den Elfenhain herein brach. Die Erde begann leicht zu vibrieren und ein immer lauter werdendes Getöse machte sich breit. Das Zittern des Bodens schwoll weiter an und verstärkte sich zu einem Beben. Windfall war von dem Baum runtergeklettert, welcher sich nicht mehr ganz so standhaft gab. Sie schrie auf, als ihre Gehversuche auf dem zitternden Boden vereitelt wurden und sie schmerzhaft auf selbigen fiel. Schützend legte sie ihre Arme auf den Kopf. Drohend begannen die Bäume zu schwanken, sie ächzten fürchterlich. Steine verließen ihre seit Jahrtausend bestehenden Positionen. Verängstigte Tierstimmen erklangen. Als wäre das nicht schon genug, begann der Boden Risse zu bilden.

Schneefalke war die erste, die mit diesen scheinbar bodenlosen Rissen Bekanntschaft machen musste. Zu Tode erschrocken erkannte Sitar die Gefahr, die von den Bäumen ausging. *Weg von den Bäumen. Schnell! * Er wurde weiß als er seine Gefährtin in unmittelbarer Reichweite eines schwankenden Baumes, welcher zu kippen drohte, sah. Schnell flog er zu ihr und schaffte sie weg. Für Wolftrace kam Sitars Warnung einen Bruchteil einer Sekunde zu spät. Er wollte sich in Sicherheit bringen, als einer der umstürzenden Bäume ihn unter sich begrub. Sein Oberkörper und seine Beine wurden von dem Stamm eingeklemmt. Ein furchtbares Geräusch von brechenden Knochen durchflutete ihn. Sein Kopf schlug bei dem Sturz hart auf. Dass sein Schrei in dem Lärm unterging, bekam er schon nicht mehr mit. Besinnungslos blieb er liegen. Windwhisper entdeckte inzwischen ihre Tochter: *Schneefalke, pass auf! *. Mit einem Sprung war sie bei ihr und legte sich schützend über ihren Welpen. Als der Riss noch größer wurde und der Rand, auf den die beiden lagen unter ihnen wegbröckelte, schrie Windwhisper verzweifelt auf. Das holte Wolftrace kurzzeitig aus seiner Bewusstlosigkeit heraus. Seine Familie war in Gefahr. Der Versuch sich selbst zu befreien, endete aber wieder in dieser Schwärze. Dafür konnte Sitar helfen und holte beide vom Spalt weg, bevor dieser Windwhisper und Schneefalke verschlingen konnte. Und das im scheinbar letzten Moment. Schneefalke konnte das Geschehen nicht ganz nachvollziehen. Seit wann hatte der Boden das Recht, so einfach aufzureißen und zu beben? Ihre Tränen verliehen ihrem Unmut darüber Ausdruck und ihre Mutter tat ihr Bestes, um sie wieder zu beruhigen. Ivyleave wurde durch das Beben umgeworfen und landete zu nah am Feuer. Ihr Kleid entflammte und mit vor Panik weit aufgerissenen Augen, versuchte sie es zu löschen. Schneefalke erblickte Ivyleave. Sie wischte die Tränen weg, schluckte ihren Unmut runter und formte ihren Körper um, zu einem großen Vogel. Sie erhob sich in die Lüfte und flog zu Ivyleave. Die in Panik um sich schlagende Ivyleave machte Schneefalke leichte Schwierigkeiten, sie zu packen. Aber es gelang und große Schwingen, die durch die Luft pflückten brachten Ivyleave zum Fluss.

Himmelsstern versuchte zu Windfall, Windwhisper und Sitar durchzukommen. Ihr Weg wurde jedoch von einem plötzlich vor ihr entstehenden Spalt unterbrochen. Sie sendete nach Hilfe. Icefire versuchte auf die Beine zukommen, um Himmelsstern zu helfen. Sie klammerte sich an ihren Wolf und zog sich hoch. Aber der Boden bebte doch zu sehr und sie fiel wieder hin. Ein stechender Schmerz durchfuhr ihr rechtes Bein. Sie riss sich zusammen und humpelte so schnell es ging auf Himmelsstern zu. Windwhisper eilte Icefire zu Hilfe, da diese es nicht allein schaffte, Himmelsstern da raus zu hohlen. Sie zog ihre Schwester auf die Beine und nahm Icefire an die Hand. Ihr Rettungsversuch wurde aber vereitelt. Unter Windwhisper erhob sich der Boden, entriss ihren Händen Himmelsstern und Icefire und katapultierte sie gegen einen Baum. Ihr wurde schwarz vor den Augen und glitt hinüber in die Bewusstlosigkeit. Sitar hatte nicht mitbekommen, wohin Windwhisper so plötzlich verschwunden war. Entsetzt sah er, was mit seiner Geliebten geschah. Ein Schrei löste sich aus seiner Kehle und seine Hand reckte sich in Richtung seiner Schwester. Für einen Moment setzte sein Herzschlag aus. So schnell er konnte, flog er zu Windwhisper und brachte sie zu Windfall in Sicherheit. Zu tiefst besorgt, übersah er kurz ihre Wunden. Dann holte er auch Himmelsstern und Icefire. Als wenigsten diese drei in Sicherheit zu sein schienen, erhob er sich abermals in die Lüfte. Das Beben wütete immer noch und der Wald hielt dem nicht mehr stand. Sitars Augen jagten über den Hain hinweg. Er versuchte sich einen Überblick zu verschaffen. Sitar kämpfte mit aller Kraft gegen die aufkommende Panik an. Die Angst, jemand zu übersehen und durch seine Schuld zu verlieren, übermannte ihn fast. Windfall konnte im Augenblick nichts mehr für Windwhisper tun. Ihr wurde auf einmal gewahr, dass ihr Wolf Beißer nicht mehr in ihrer Nähe war. Angstvoll blickte sie zu dem Spalt und befürchtete das Schlimmste *Beißer, wo bist du? * Sie wollte aufstehen, was aber gar nicht so einfach war. Als sie es endlich schaffte, sich an einem Felsen hochzuziehen, kam Beißer schon auf sie zugerannt. Auch der Wolf konnte seinen Lauf ob des Bebens nicht richtig koordinieren und so warf er seine Reiterin um. Fluchend blieb sie liegen und presste ihre Hände auf die Ohren, sie konnte diesen Lärm einfach nicht länger ertragen.

Den Hohen sei Dank wurde Windfalls Fluchen erhört. So plötzlich wie das Chaos kam, so abrupt hörte das Beben auf. Die Stimmen des Waldes verklangen, das grausame Ächzen der Bäume hörte auf, das Grollen und Poltern schwoll ab. Es war wieder still. Unheimliche Stille.

Langsam trauten sich die Elfen wieder aufzustehen, voller Skepsis betrachteten sie den Boden. Icefire hob den Kopf, der Ruhe nicht trauend. Stöhnend tastete sich nach ihrem Bein. Aufstehen war ihr nicht möglich. ‚Sharpear! Wo ist er?’ Ihr Wolf war doch eben noch bei ihr gewesen. #Sharpear!# Bevor sich eine noch größere Angst in Icefire ausbreiten konnte, machten ihre Augen den Wolf aus. An ihm konnte sie sich hochziehen, wobei sie ihn gleich umarmte und nach Wunden absuchte. Erleichtert setzte sie sich auf ihren Wolf und versuchte den Schmutz aus ihrem Gesicht zu wischen, mit wenig Erfolg. Von ihrer höher gelegenen Position sah sie sich im Lager nach ihren Stammesgefährten um. Windfall erhob sich vorsichtig und rieb mit schmerzverzerrtem Gesicht ihr linkes Bein, ein blutiger Kratzer zog sich über ihre Wange und ihre Kleider waren zerrissen. Wenigsten ging es ihrem Wolf besser als ihr, so stellte sie fest. Endlich in aufrechter Position, sah auch sie sich um. Ihr Blick schweifte über den verwüsteten Waldboden zu Sitar hinüber. Sein Gesicht war von Sorgenfalten zerfurcht und sein Blick irrte immer noch über den Hain. Windfall wollte grade auf ihn zugehen, als sie Wolftrace entdeckte. Ein schwaches Sende empfing sie von dem immer noch Bewusstlosen: *Windwhisper... wo seid ihr... helft mir... * Windfall eilte zu ihm. Jedoch konnte die zierliche Elfe den Baum allein niemals bewegen. Schneefalke und Ivyleave kamen erschöpft und sich gegenseitig stützend ins Lager zurück gewankt, als sie Wolftrace Hilferuf hörten. Schneefalke ließ Ivyleave los. So schnell ihre müden Beine sie tragen konnten, rannte sie zu ihrem Vater. Aber auch sie war zu schwach, um den Baum zu bewegen. Wolftrace atmete schwer. Er schlug langsam die Augen auf und erkannte Schneefalke und Windfall über sich, doch bevor er etwas sagen konnte, durchzuckte sein Körper ein neuerlicher Schmerz und es wurde ihm wieder Schwarz vor Augen. Schneefalke ließ von dem Baum ab und kniete sich zu ihrem Vater. Ihr Blick verschleierte sich, sie hatte große Angst, dass Wolftrace das nicht überleben würde. Mit einem verzweifelten Schrei stemmte sie sich gegen den Stamm. Himmelsstern fand ihre Orientierung wieder und holte ihre Schwester in die Wirklichkeit zurück. Ihr erleichtertes Lächeln erstarb bei Schneefalkes Schrei. Himmelsstern zog Windwhisper mit sich zu Wolftrace. Die Heilerin konnte die Schmerzen, die in Wolftrace Körper wüteten spüren. Aber der Baum hinderte sie an einer erfolgreichen Heilung.  Ein lautes, gefährlich klingendes Brummen hörte Himmelsstern plötzlich neben sich. Da stand ein ziemlich großer Bär und mühte sich ab, den Baum anzuheben. Es war Schneefalke, die ihre letzten magischen Kräfte mobilisiert hatte und ihren Körper die Gestallt eines Bären gegeben hatte. Ein Knarren und Rascheln kündigte den Erfolg dieser Kraftanstrengung an und Himmelsstern griff sich Wolftrace. Endlich befreit konnte die Heilerin ihre Arbeit fortsetzen. Schnell verfiel sie in Trance und aus ihren Händen floss die heilende Magie. Wunden schlossen sich, Knochen fügten sich wieder aneinander, der Schmerz verebbte. Erschöpft öffnete Himmelsstern ihre Augen und sah wie Windwhisper ihren Geliebten in die Arme schloss. Besorgt sendete sie **Kron...Kron** und erhielt als Antwort ihren eigenen Seelennamen. Tränen vermischten sich mit der Erde, die Windwhispers Wangen zierten. Ein schwerer Hustenanfall, veranlasste Himmelsstern ein letztes Mal Hand anzulegen. Erst jetzt waren alle Wunden verheilt und die Heilerin völlig verausgabt. Die Heilung forderte ihren Tribut. Ivyleave saß noch immer an der Stelle, wo Schneefalke sie losgelassen hatte. In einer Art Schockzustand betrachtete sie ihre Brandblasen. Dann besann sie sich, strich sich eine nasse Strähne aus dem Gesicht und sendete nach Frostbite *Geliebter, wo bist du?*. Sie konnte ihn nirgends entdecken. Frostbite hatte das Beben ziemlich schadlos überstanden und ging den Spalt ab, der sich quer durch den ganzen Wald zog und womöglich auch durch das Lager der Sternjäger. Er antwortet kurz auf ihr Senden; beruhigt seine Gefährtin in der Nähe der Heilerin zu wissen.

Glimmer trat aus ihrer Höhle, auf ihrer Stirn klebte etwas Blut, aber ansonsten war ihr weiter nichts passiert. Während dem Beben regneten einige ihrer Arbeiten auf die Schmiedin nieder, wenigstens konnten keine Bäume in ihrer Höhle auf sie fallen. Ihre Augen weiteten sich ob des Anblicks, der sich ihr bot. Überall Verwüstung. Ihr Wolf kam hinter ihr aus der Höhle, schnell sprang sie auf und ritt zu den Anderen und bot ihre Hilfe an.

Icefire lenkte nun da sie sah, dass alle noch mehr oder weniger lebten, ihren Wolf zum Lager, um nach ihrer Familie zu sehen. Als sie Himmelsstern erblickte, die sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte, ritt sie zu ihr. Die Sorgen um das Wohlergehen ihrer Familie nagte zwar an ihr, aber Himmelsstern konnte sie auch nicht einfach da liegen lassen. Icefire half der Heilerin auf Sharpear *Wir bringen dich zu deinem Schlaflager. Du musst dich nur festhalten.* Himmelsstern nickte dankend und krallte sich in das Fell des Wolfes. Als sich Sharpear in Bewegung setzte, drohte Himmelsstern hinunter zufallen. Somit setzte sich Icefire vorsichtig hinter sie und hielt sie fest. Der Ritt zu Himmelsstern Wohnhöhle kam den beiden viel zu lang vor. Icefire drängte es fast schmerzlich danach, ihren Geliebten in die Arme zu schließen. Und Himmelssterns Körper schrie nach Ruhe.

Von Sitar glitt nun die ganze Anspannung ab. Es war überstanden. Windfall strich über sein Gesicht **Es ist vorbei, Geliebter.** Zitternd schlang er seine Arme um sie und hielt sie einfach nur fest.

Frostbite blieb an einer Stelle des Spaltes stehen. Irgendetwas veranlasste ihn, sich den Spalt an dieser Stelle genauer anzusehen. Irgendetwas Fremdes, aber auch eigenartig Vertrautes. Vorsichtig trat er an den Rand. Kleine Steine rieselten in den Spalt. Er sah hinunter und suchte den Boden des Spaltes ab. Schärfere Augen als die seinen waren gefragt *Shensai, Windwhisper, einer muss herkommen. Da unten ist was. Ich kann es aber nicht genau erkennen.*  Wiederwillig ließ Windwhisper Wolftrace los und rannte zu Frostbite. Ihre scharfen Augen sahen in den Spalt hinab. Sie konnte etwas Glänzendes ausmachen. Ein Hauch von Magie ging von dem glänzenden Ding aus. Frostbite löste sich von dem Spalt. Zwar war er neugierig was da unten war, aber erst musste die Ordnung wiederhergestellt werden. Er veranlasste, dass sich das Wolfsrudel an den Quellen sammeln sollte. Er hoffte, dass dabei auch Flammenfell wieder auftauchte, den Ivyleave schon angstvoll zu suchen begann. Beißer, der Leitwolf, musste erst von Windfall dazu überredet werden ihre Seite zu verlassen und sein Rudel wegzuführen. Frostbite hatte sein Tun, sich einen Überblick über die Verletzten zu machen. Zu allem Überfluss wuchs nun die Neugier, was in dem Spalt sein könnte, auch in ein paar anderen Elfen. Schneefalke und Glimmer streckten ihre Nase über den Rand und sahen nach unten. Windfall unterband ihre Neugierde und hielt Sitar in ihren Armen, sie versicherte ihm, dass es ihr gut ginge. Wolftrace stützte sich auf die Ellenbogen und versuchte Windwhisper zu entdecken. Noch war er zu schwach, um auf zu stehen.

Frostbite stellte fest, dass Nimoë, die Anführerin der Sternjäger nicht hier bei ihnen war. Ein unbeantwortetes Senden, bewies, dass sie auch nicht im Lager war. Er war ihr Stellvertreter – sicher – aber er wünschte sich, sie wäre hier. In solchen Situationen hatte sie einfach die besseren Führungsqualitäten, würde nicht die Fehler begehen, vor denen sich Frostbite so sehr fürchtete.

Nimoë war zu weit weg von den anderen, um das Senden ihres Stammes zu empfangen. Als das Beben begann, versuchte sie vergeblich das Lager zu erreichen. Ein Riss unter ihren Füssen ließ sie fast in die Tiefe stürzen. Ein Hechtsprung beförderte sie an den Rand des Spaltes und bekam bevor sie abstürzte einen Ast zu fassen und zog sich raus. Nach der ersten Erleichterung fuhr es ihr wie kalter Stahl durch die Adern 'Redtint!’ Schlagartig wurde ihr bewusst, das ihr Wolf auf der anderen Seite des Spaltes war. Er lief verängstigt dem mindestens 10 m breiten Erdspalt entlang. Er winselte leise als er Nimoë sah. 'Ich muss zu meinem Stamm, sie brauchen mich jetzt' dachte sie. Tränen stiegen ihr in die Augen, als sie noch einmal zu Redtint hinübersah. Es fiel ihr schwer, ihren Wolf zurücklassen zu müssen, aber der Stamm war jetzt wichtiger. Sie drehte ihm den Rücken zu, atmete noch einmal tief durch und lief den Spalt entlang in Richtung Lager. 'Ich bin die Anführerin.. für Schwächen ist jetzt keine Zeit!' Eine von Nimoës Qualitäten war, dass sie in Krisensituationen Nerven wie Granit hatte, und sich selber keine Schwächen gönnte. Nur ein Jaulen begleitete sie auf ihrem Weg, das langsam schwächer wurde, bis es ganz verschwand. Nimoë nahm einen flüchtigen Ruf wahr. Aber sie war noch zu weit weg um das Senden ihrer Gefährtin zu verstehen. 'Gleich, gleich, nur noch ein Stück, dann bin ich bei dir' dachte sie bei sich. Sie rannte so schnell sie konnte, über Felsen, Bodenrisse und umgefallene Bäume. Doch sie kam nur sehr langsam vorwärts. Kurz bevor sie das Lager betreten konnte, erzitterte der Boden auf ein Neues; zwar bei weitem nicht so heftig wie beim ersten Mal, aber es reichte, um einige Elfen wieder von ihren Beinen zu reißen. Ivyleave konnte sich mit Mühe an einem Baum, der noch aufrecht stand, festhalten. Auf ihrer Suche nach Flammenfell hatte sie sich weiter wegbewegt und verlor nun auch noch die Anderen aus den Augen.

Der Baum, der Wolftrace unter sich begraben hatte und in dessen Nähe er sich immer noch befand, kam durch das Nachbeben ins Rollen. Wolftrace konnte sich vor einem erneuten Zerquetschen gerade noch so retten, indem er sich mit letzter Kraft auf den Rücken seines Wolfes zog und aus der Gefahrenzone ritt. Als Frostbite zu Ivyleave wollte, die nach ihm sendete, wurde er von dem Beben umgeworfen. Der Spalt kam auf einmal bedrohlich näher *Verschwindet von den Spalten! * Noch bevor Frostbite die Warnung sendete, kam Windwhisper wieder auf die Beine und brachte sich und Glimmer in Sicherheit. Er wollte hinterher, aber ein Stein, der sich vor ihm aus dem Boden empor bohrte, hielt ihn auf.

Aber auch dieses Beben hörte endlich auf. Der Hain war nun endgültig zerstört. Fast alle Bäume um sie herum waren entwurzelt, der Boden hatte viele Risse und stellenweise neue Felsen ragten aus ihm empor.

Windwhisper sah sich nach Frostbite um *Alles in Ordnung?* Frostbite erhob sich und tastete skeptisch den Stein vor sich ab *Ja, alles noch dran.* Er wollte erst gar nicht wissen, wieso ein Stein so plötzlich aus dem Boden wachsen konnte, er wollte jetzt erst einmal zu Ivyleave. Den besorgten Blick, den Windwhisper hinter ihm herwarf, registrierte er nicht mehr. Endlich konnte nun auch er seine Geliebte in die Arme schließen, welche halb krank vor Sorge um ihn und ihren Wolf war. Icefire setzte Himmelsstern ab, bevor ihr Wolf mit seinem Gleichgewicht ob des Bebens kämpfen musste. Nun da das Beben aufgehört hatte, vernahm sie ein verängstigtes Jaulen und Fiepen. Sie spitzte die Ohren und versuchte die Geräuschquelle ausfindig zu machen. Als sie sah, dass Himmelsstern weiter in Richtung Lager wankte, ging sie den Lauten nach. Unter einem Haufen aus umgestürzten Bäumen fand sie einen Welpen, welcher ihr beruhigendes Senden mit einem hoffnungsvollem Winseln beantwortete. Sein Bein war eingeklemmt und das nicht gerade in einer gesunden Position. Icefire versuchte den Welpen zu befreien, schaffte es im ersten Anlauf nicht und sendete nach Hilfe. Frostbite und Ivyleave machten sich auf den Weg zu ihr. Icefire erkannte aber, dass die beiden aber vielleicht zu spät kommen würden und setzte zu einem zweiten Versuch an. Sie hebelte den Baum aus und ihr Wolf zog den Welpen vorsichtig raus. Als sie den Ast, den sie als Hebel benutzt hatte, loslassen wollte, rutsche sie weg. Ein kleiner spitzer Zweig bohrte sich tief in ihre Seite. Sie sog scharf die Luft ein als sie den stechenden Schmerz verspürte. Besorgt sah sie sich ihren Fehltritt an, sie presste ihre Hand darauf und verfluchte das Holzstück. Wohlwissend, dass sie Himmelsstern wegen solch einem kleinen Kratzer nicht behelligen wollte, verbarg sie ihre Wunde. Die Heilerin brauchte Ruhe und die Schmerzen waren auszuhalten. Mit dem Welpen unter dem Arm ritt sie Frostbite und Ivyleave entgegen. Die beiden bemerkten, dass Icefire etwas passiert war. Aber diese wollte nicht mit der Sprache rausrücken. Sie ritten ins zu den Anderen zurück.

Nimoës Senden erreichte endlich den Stamm, sie selbst war noch ein gutes Stück von ihnen entfernt. Sie erkundigte sich nach dem Wohlbefinden aller. Frostbite sendete ihr kurz, was geschehen war. Sitar hob erleichtert den Kopf, als er das Senden von Nimoë vernahm und löste sich von Windfall. Ihrer Neugierde nachgebend, wurden ihre Schritte fast magisch von dem Spalt angezogen. Sie ließ sich am Rand nieder und spähte nach unten. Dabei lehnte sie sich sehr weit vor und unter ihren Fingern begann der Boden zu bröckeln. Das bemerkte sie aber nicht, dafür aber Windwhisper, die noch immer am Spalt verharrte. Schon drohte Windfall hinunter zu stürzten, da war sie auch schon bei ihr. Aber es war zu spät. Der Rand brach ab unter dem Gewicht der beiden Elfen und überließ sie dem freien Fall. Unsanft landeten sie auf dem Boden des Spaltes. Mit schmerzenden Gliedern sahen sie sich um. In einem Loch unter ihnen war das Glitzern, was sie von oben sehen konnten. Sie konnten eine Magie spüren, die eindeutig aus diesem Loch kam. Abenteuerlustig untersuchten sie es genauer. Eine Scherbe. Der Sturz der beiden blieb nicht ungesehen und einige der Elfen eilten zum Spalt. Sitar fand es gar nicht lustig, das seine Gefährtin und Windwhisper dort unten sich vergnügt ihrem Abenteuer hingaben und forderte sie auf, dort heraus zu kommen. Auch sonst gefiel es ihm nicht, dass sich der Stamm im ganzen Hain verteilte. Himmelsstern war irgendwo kurz vorm Lager und Wolftrace wurde sonst wo von seinem Wolf hingetragen *Wie wäre es, wenn wir uns erst einmal alle sammeln würden.* Frostbite fand Sitars Vorschlag richtig und gab den Befehl dazu. Sitar und Frostbite begannen, nach denen zu suchen, die aus eigener Kraft nicht zum Lager gehen konnten.

Windwhisper und Windfall dachten aber nicht daran, wieder rauszuklettern und wiedersetzten sich somit den Anweisungen Frostbites. Selbst Schneefalke wollte unbedingt zu den beiden hinunter. Frostbite sah zurück *Windfall, Windwhisper, Schneefalke bewegt euch zum Lager. Sofort.* Doch auch Frostbites gereiztes Senden kam nicht gegen den Bann der Scherbe, die Windfall in ihren Händen hielt, an. Sein Blick fiel auf die zähneknirschende Icefire, die neben ihm zum Stehen gekommen war. Er sah sie aufmerksam an, sie hatte was, davon konnte ihr gezwungenes Lächeln auch nicht ablenken. Aber wenn sie nichts sagte, wollte er auch nicht nachbohren, sie wird schon wissen was sie macht. Als er merkte, dass sein Befehl immer noch nicht befolgt wurde von den Dreien, sendet er etwas drängender zu ihnen *Ihr kommt sofort da weg, sonst hol ich euch.* Windwhisper musste grinsen, sie fühlte ich relativ sicher hier unten vor Frostbites Zorn *Wie willst du das denn machen Frostbite?* Jetzt wurde er endgültig ärgerlich *Solange Nimoe nicht hier ist...* er unterbrach sich, da er den Chef nicht raushängen lassen wollte. Er wandte sich kurz um zu seiner Gefährtin **Ivyleave, bringst du Icefire bitte ins Lager? ** Dann rannte er los zu Windwhisper und Windfall. Sitar reichte es. Er mochte seine Gefährtin und seine Schwester nicht da unten in dem tiefen Loch lassen, ob sie wollten oder nicht! Er drehte sich zu Schneefalke um. " Du hast Frostbite gehört, reite zurück zum Lager und nimm Himmelsstern mit. Wenn Du Deinen Wolf nicht finden kannst, dann trägt Euch Lightning!" Dann ging er in Richtung des Spaltes und knurrte: "So und ich werde jetzt dafür sorgen, dass diese beiden leichtsinnigen Elfen von da unten rauskommen !" Er schwebte nach unten, packte Windfall und Windwhisper und flog mit seiner zappelnden Beute nach oben. *Ihr beide habt gehört was Frostbite gesagt hat! Solange Nimoe nicht da ist und etwas anders sagt, gilt SEIN Wort. Ihr könnt Euch das da unten nachher noch ansehen, wenn endlich alle beisammen sind.* Windfall versuchte sich aus Sitars Arm zu winden. Nach einiger Zeit gab sie es auf und schmollte vor sich hin. Sie schaute sehnsüchtig zu dem Loch mit der glitzernden Scherbe. *Sein Wort, pah! Wie sollten wir denn da raus kommen, klettern oder was?* Windwhisper riss sich los und funkelte ihren Bruder böse an. *Zum Lager kann ich auch alleine gehen. Danke vielmals!* Sie drehte sich hastig um und lief zu ihrem Gefährten. Frostbite  stoppte vor dem Spalt als er sah, dass Sitar erfolgreich beendete, was er angefangen hatte. Dankbar für Sitars Hilfe kehrte er um und begleitete Ivyleave und Icefire zurück in das Lager. Wieder musterte er Icefire. Sie war anfangs Frostbites Blicken ausgewichen und sah ihn nun überrascht und stirnrunzelnd an *Ich sagte mir fehlt nichts !* kam es bockig von der jungen Elfe. Sie kam sich dumm vor, dass sie sich vor lauter Unvorsichtigkeit verletzt hatte, das brauchten die anderen nicht zu wissen. Auch nicht, dass sie Schmerzen hatte. Sie würde nicht wie ein kleiner Welpe winseln, wenn es sowieso schon drunter und drüber ging. Trotzig reckte sie das Kinn. Das Senden von Icefire ließ ihn stutzig  werden und nahm sich vor, sie im Auge zu behalten. Er sah wie Windwhisper Wolftrace aufhalf und ihn auf seinen Wolf setzen wollte *Schaffst du es allein, Windwhisper, deinen Gefährten zum Lager zu bringen oder brauchst du Hilfe?* Sie brauchte sie nicht.

In diesem Moment erreichte nun auch Nimoë den Hain. Nur achtete sie nicht auf den Spalt vor ihr, der da ja auch normalerweise nicht hingehörte. Als sie ihn bemerkte, schaffte sie es nicht das Gleichgewicht zu halten, sondern konnte sich nur noch hinten abzustoßen und fiel direkt in ein eigenartiges Gewächs. 'Verdammt' dachte sie bei sich, und wollte aufstehen. Doch die Pflanze erwies sich als Schlinggras. Je mehr Nimoë zappelte, desto mehr saß sie fest. 'Na toll, und das nennt sich Anführer' (ihre Selbstkritik ist vernichtend). Mit Müh' und Not zog sie den Dolch aus der Scheide, und versuchte so ihre Hände freizubekommen. Es dauerte also eine geraume Zeit, bis sie, zerschlissen und nur noch mit ein paar Fetzen bekleidet, zu den anderen stieß. *Was ging hier vor? Frostbite, wo ist der Rest? Warum starrt ihr alle da runter?* Frostbite sah etwas erleichtert Nimoë an *Die Erde hat sich bewegt. Ein Beben hat den ganzen Hain zerstört. Risse sind entstanden und Bäume wurden entwurzelt. In einem der Spalten habe ich etwas geglaubt zu sehen und Windwhisper sollte mir das bestätigen. Durch eine Unvorsichtigkeit seitens Windfall, sind beide runtergefallen. Einige sind verletzt und die Heilerin braucht eine Pause. Das Rudel ist soweit in Sicherheit.* Dieser kurze Abriss des Geschehenen sollte Nimoë einen Überblick über die Situation der Sternjäger verschaffen. *Was weiter zu tun ist, ist deine Entscheidung.* Sitar hielt noch immer Windfall fest und beschwerte sich bei Nimoë über seine allzu leichtsinnige Gefährtin und seine Schwester. Er sah ziemlich wütend aus, aber im Grunde hatte er nur große Angst und machte sich Sorgen. Vor allem, da Windfall ihren gemeinsamen Welpen unter dem Herzen trug. Windwhisper fand es gar nicht gut, so angeschwärzt zu werden und knurrte ihren Bruder an. Das war aber schnell vergessen und ein Grinsen stahl sich auf ihr Gesicht, da Nimoë nicht gerade wie aus dem Ei gepellt aussah. Wolftrace hielt sich an Luckystar fest und drehte sich zu Nimoë. ** Was ist mit dir passiert. Ist dir auch ein Baum auf den Kopf gefallen ?** Er schaffte gerade so ein Grinsen aufs Gesicht zu bringen.

Nimoë versicherte, dass ihr weiter nichts fehlte und ging nicht weiter auf ihr Äußeres ein. Sie richtete sich auf und sammelte ihre Gedanken. Schnell verteilte sie ihre Befehle, die wieder Ordnung in das Ganze bringen sollten. Sie veranlasste, dass sich die Verletzten zum Lager begeben sollten, und ihre Wunden versorgt werden, solange die Heilerin noch nicht wieder bei Kräften war. Dann fuhr sie in einem strengeren Ton fort: *Und ich will niemanden in der Nähe der Felsspalten sehen! * Einspruch wäre zwecklos gewesen, Nimoës Befehl ließ keinen Widerspruch zu. *Alle sollen so schnell wie möglich in das Lager gebracht werden. Frostbite, geh voraus und schau das dort alles nach dem Rechten läuft !*

Frostbite ritt daraufhin auf seinem Wolf Dornblut ins Lager. Er hatte nicht grade große Hoffnung, dass das Beben ihr Lager unbeschadet gelassen hatte.

Schneefalke begleitete Icefire und Ivyleave. Sie wurde auf eine rote Stelle an Icefires Seite aufmerksam. Icefire fuhr zu Schneefalke herum und hielt sich instinktiv die Seite. an ihrer Hand fühlte sie etwas warmes feuchtes. Verstohlen sah sie nach unten. Röte schoss ihr in die Wangen und sie wischte ärgerlich ihre hand ab "Nur ein Kratzer ... !" murmelte sie unwillig mit gesenktem Kopf in Richtung Schneefalke in der Hoffnung das niemand ihnen zuhörte. Dann straffte sie sich und ritt weiter. Sie war im Moment zu stolz, um ihre Schmerzen zu zugeben. Icefires Verhalten machte nun auch Sitar misstrauisch. Darauf vertrauend, dass Windfall sich an Nimoës Befehl halten würde, ließ er sie frei. Ein kurzer strenger Blick sollte dafür sorgen, dass sich seine Gefährtin auch wirklich zurück ins Lager begab. Sitar ritt neben Icefire und betrachtete sie von oben bis unten. Ihm fiel das blutverschmierte Hemd auf. Ganz beiläufig, als wolle er sie nur umarmen, drückte er auf  ihre Wunde. Da war jedes Leugnen überflüssig. Wenn Icefire ihren dummen Stolz nicht überwinden wollte, so sollte sie wenigstens ihre Wunde erst mal mit ein paar Kräutern behandeln. Icefire gab dem nach und ärgerte sich um so mehr. Nicht über die Anderen, nur über sich selbst.

Als auch das geklärt war, konnten nun alle zum Lager zurück gehen. Einige mehr humpelnd, als gehend. Glimmer kümmerte sich um Himmelsstern, Windwhisper tat ihr Bestes ihren Gefährten ohne große Schmerzen auf seinen Wolf zu halten und Sitar zog Windfall mit sich, die sich noch einmal zu dem Spalt umdrehte. Seinem Blick musste sie aber schnell nachgeben. Nimoë sah erleichtert, dass sich alle zum Lager zurückbewegten. Sie vertraute auf Frostbite, dass er, soweit es nötig war, im Lager alles weitere veranlasste. Bevor sie ihrem Stamm aber folgte, wollte sie wissen, was die Anderen so magisch angezogen hatte, dass sie selbst die Anweisungen ihres Stellvertreters nicht befolgten. Langsam schritt sie auf die Felsspalte zu und warf einen flüchtigen Blick hinunter. Etwas funkelndes konnte sie erkennen, aber alles weitere blieb ihr verborgen. 

Frostbite kam im Lager an. Entsetzt rutschte er von seinem Wolf runter, unfähig zu stehen. Aber nicht wegen irgendeiner Verletzung. Der Anblick, der sich ihm bot, entzog ihm seine Kraft. Er sah sich im Lager um. Seinen Augen nicht trauend schüttelte er den Kopf über diese Zerstörung, die hier herrschte. Die ersten Elfen trafen hinter ihm ein. Auch ihnen stand das pure Grauen in die Gesichter geschrieben. Nach und nach wurden die Verletzten in den Wohnhöhlen untergebracht. Dann sah er Tarlet und ging auf sie zu; er schaute sich die Abschürfungen auf ihrer Schulter an. Kurz erzählte sie, was ihr passiert war : Ohne Vorwarnung hatte es Steine gehagelt. Äste brachen ab und Risse entstanden im Waldboden. Nur mit Müh und Not konnte sie verhindern das sie mitsamt ihrem Wolfsfreund in eine dieser tückischen Spalten fiel. Ihre Schulter schmerzte unsäglich, da sie genau in der Flugbahn eines herunterfallenden Astes gestanden hatte. Vom Schrammen und Kratzer übersäht stand sie nun vor ihrem Vater. *Geh zu Ivyleave und lass das versorgen.* Tarlet nickte unsicher und humpelte davon, drehte sich jedoch nochmals um, und sendete verschlossen. **Werden wir den Hain jemals wieder so aufbauen können wie er war, Vater?** in ihren Augen spiegelt sich Unsicherheit und Angst. Für einen Moment war sie keine große Jägerin mehr, wie sie es sonst so oft gerne war, sondern wieder ein kleiner, verunsicherter Welpe. Frostbite hatte selbst Zweifel, aber er konnte seinen Welpen nicht noch mehr beängstigen **Das wissen nur die Hohen.** Tarlet schien damit nicht ganz zufrieden zu sein, beließ es aber dabei und ging weiter.

Einige ihrer Wohnhöhlen waren versperrt durch andere umgekippte Bäume und andere Höhlen existierten gar nicht mehr. *Wir müssen erst einmal zusammenrücken.* Er wollte Sitar bitten ihm beim Wegschaffen der entwurzelten Bäume zu helfen, dann sah er sich aber wieder um und merkte, dass so der ganze Wald aussah. Der Mutterbaum hatte starke Schäden erlitten, die nicht einmal Ivyleave wieder hinbiegen konnte und ein paar Risse gingen gefährlich nahe am Baum vorbei, so dass seine Wurzeln zu sehen waren. 'Das schaffen wir nicht' dachte er. Er streifte durch das zerstörte Lager.

Icefire blieb geschockt am Rand des Lagers stehen. In einem Traum, einer Vorahnung, hatte sie das hier gesehen. Aber sie hatte dem weiter keine Beachtung geschenkt, da sie das nicht wahr haben wollte. Sie hatte seit kurzem das Lager der Sternjäger als ihr neues zu hause anerkannt und fühlte sich langsam wieder heimisch. Aber nun? Sie seufzte innerlich. Es gab wenige, die um die große Kraft der Träume und Vorahnungen wussten. Doch gerade sie, sie vor allen anderen, hätte wissen müssen das man die Botschaften des Geistes nicht ungeachtet lassen durfte.

Schneefalke sprach als erstes aus, was die anderen noch für abwendbar hielten. Ein Umzug.

In einige Augen stahlen sich Tränen, da sie wussten, dass der Welpe recht hatte.

Betrübnis machte sich im Stamm breit. Ein neues Zuhause? Jetzt? Wo sie sich hier doch endlich wie zuhause gefühlt hatten?  Tarlet versuchte aber am Lager festzuhalten. So schnell wollte sie ihr Zuhause nicht aufgeben. Geschlossen sendete sie zu ihrem Vater **Aber wohin sollten wir denn gehen? Wir wissen doch gar nicht was uns da draußen erwartet, ich meine all die Gefahren** sie stockte kurz ** Und das Meer...** schon von Kind auf fürchtete sich Tarlet abergläubisch vor dem Salzwasser. **Wir können gar nirgends anders hin! Vielleicht kann Mutter das alles wieder reparieren!!!** Ein schwacher Hoffnungsschimmer flammte in ihren Augen auf. Frostbite wollte die Hoffnung nicht aus den Augen seiner Tochter wieder verbannen, aber er hatte es noch nie gekonnt schlimme Dinge zu beschönigen, auch Trost zusprachen war nicht sein Element. Er wich dem Blick seines Welpen aus und knurrte fast unmerklich. *Auch wenn Ivyleave den Mutterbaum wieder heilt...sieh dich doch um, überall sind Risse und...* er brach ab und wünschte sich im nächsten Augenblick, dass er das nicht gesendet hätte. Wolftrace blickte sich in dem Chaos um. Er wollte nicht fort, hier war er aufgewachsen, doch er sah auch ein, dass es sein musste. Er nahm Windwhisper in die Arme, da er bemerkte, das sie angefangen hatte zu Weinen. ** Jelara, es ist gut. Wir werden nie vergessen. ** Auch ihm rannen die Tränen übers Gesicht. Er blickte zum Mutterbaum und ihm kamen Erinnerungen, an seine Kindheit, wie er mit seinem Vater Verstecken in den Ästen gespielt hatte. Aber auch, wie er von einem der Bäume gefallen war. *Wohin?*

Inzwischen hatte Schneefalke begonnen die Risse im Lager zu zuschütten. Tränen rannen über ihr Gesicht, aber ihr Blick wirkte trotzig. Die hartnäckige kleine Elfe war nur schwer davon abzubringen mit ihrem eher sinnlosen Tun aufzuhören. Sie wollte nicht einsehen, dass man nicht den ganzen Wald mit seinen vielen Rissen wieder ‚heilen’ konnte. Wolftrace musste seinen Welpen vom Spalt wegziehen. Er verzog das Gesicht, als Schneefalke sich losriss, da sie mit den Ellenbogen seine Rippen getroffen hatte, die immer noch schmerzten. Verzweifelt schaufelte Schneefalke weiter Erde in den Spalt vor ihr. Wolftrace zog sie wieder zurück und hielt sie diesmal fester. ** Kleines, es hat keinen Sinn. Keiner kann das schaffen. ** Er wusste wie verzweifelt sie war, den auch sein Herz schrie, da er hier nicht weg wollte. Doch wenn sie Überleben wollten, sollten sie gehen.

Er hatte recht. So wie das Lager aussah, sah auch der ganze Wald aus. Es würde sehr hart werden, wenn sie hier noch irgendwelche Beute finden wollten. Durch das Beben hat sicher alles was laufen konnte den Wald verlassen.

Frostbites Gedanken kreisten um ihr weiteres Vorgehen, als Himmelsstern zu Boden ging. In ihrem geschwächten Zustand hatte sie Glimmer noch geheilt, die sich bei dem Ritt ins Lager, den Fuß verstaucht hatte. Das war alles zu viel für die Elfe gewesen. Frostbite hob sie auf *Einige, die nicht verletzt sind sollten sich um die Verletzten kümmern. Der Rest holt alles aus unseren Höhlen, was noch zu gebrauchen ist.* Ihm fiel es schwer diesen Befehl zu erteilen, da er damit den Aufbruch des Stammes besiegelte. Er brachte die Heilerin in eine unversehrte Höhle. Sitar seufzte. Er nahm Windfall zart in die Arme und streichelte über ihren Bauch. *Ich hatte gehofft, unser Welpe würde hier zur Welt kommen. Nun sieht es so aus, als ob wir uns eine neue Heimat suchen müssen.*  Dann sendete er zu Icefire ** Du hast gehört was Frostbite gesagt hat. Die Unverletzten sollen sich um die Verletzten kümmern und bei den Hohen wenn Du Deine Wunde nicht bald versorgt hast, werde ICH DICH versorgen! Und dabei werde ich nicht gerade zimperlich sein!** Mit großen Augen sah Icefire Sitar an, der sie aus ihren Gedanken gerissen hatte. Sie runzelte die Stirn und sah aus als wolle sie etwas erwidern, nickte dann aber und wandte sich ohne Widerspruch ihrer Höhle zu. Es sah wüst aus, nichts war mehr an seinem Platz. Seufzend ließ sich Icefire in mitten des Chaos nieder und zog das Oberteil über den Kopf. Dann nahm sie Kräuter aus einem Beutel und behandelte die schmerzende Wunde. Windwhisper zog Wolftrace auf die Beine auf das auch sie sich in ihre Höhle begeben konnten. In seinen Armen war Schneefalke erschöpft zusammen gesunken. Wolftrace legt Schneefalke legte auf die Felle. Dann legte er eine Decke über sie und setzte sich vollkommen erschöpft neben sie. Er beobachtete Schneefalke im Schlaf. Er konnte den Schmerz seines Welpen nur allzu gut nachvollziehen. Stumm legte Windwhisper die Arme um ihren Gefährten. **Es ist für uns alle schwer Kron...** Sie wischte ihm die Tränen weg. **Aber wir sollten froh sein, dass niemand stark verletzt wurde oder tot ist...Es gibt noch Hoffnung und die sollten wir nicht vergessen.**

Frostbite machte sich auf den Weg zu seiner Höhle, ging aber vorher zu Ivyleave und bat sie, sich nach Samen des Mutterbaums umzusehen. Wenn sie schon eine neue Heimat suchen und aufbauen mussten, so wollte er das aber mit etwas Bekannten beginnen. Dann stand er in seiner Höhle. Seine Blicke verfinsterten sich, er runzelte die Stirn und knurrte. Alles war zerstört, die kleinen Tonkrüge seiner Gefährtin haben sich in Wohlgefallen aufgelöst, die Ranken, die sie geformt hatte hingen zerstückelt an den Wänden. Zwischen dem ganzen Chaos fand er noch eine heile Vase, die er aufhob. Er sah sie an und schmetterte sie gegen die nächste Wand. Himmelsstern wachte inzwischen wieder auf und sah sich verwundert um. Das war nicht ihre Höhle. Sie erinnerte sich nur noch daran, dass auf einmal  alles schwarz geworden war. Plötzlich zuckte sie zusammen, da sie ein Geräusch gehört hatte. Wie als wäre irgendwas zerbrochen. Sie ging dem Geräusch nach und stand in der Höhle von Frostbite und Ivyleave.  Frostbite war ziemlich gereizt, da alles um ihn herum zu zerbrechen drohte und wollte nur allein sein. Für Himmelssterns Geschmack tat er das ein wenig zu hart kund und ein Streit entbrannte zwischen den beiden. Himmelsstern hatte sich doch nur Sorgen gemacht und das war der Dank dafür? Sie meckerte ihn sehr wütend an. *Und so was ist der Bruder meines Gefährten, pah!* Der Vergleich mit seinem Bruder, ließ Frostbite seine Fassung verlieren. Noch nie hatte er so etwas vertragen können. *Ich bin aber nicht so wie Kalkan und werde es auch nie sein! Ich habe dich auch nicht gebeten, dir Sorgen um mich zu machen*

Tarlet stand auf einmal im Eingang. Tränen schimmerten in ihren Augen und sie hielt sich noch immer ihren schmerzenden Arm. "HÖRT AUF!!!" rief sie verzweifelt. Sie konnte es nicht nachvollziehen, dass man in solch einer Lage auch noch anfangen konnte, sich zu streiten. Ihre Augen von Tränen verschleiert, ließ Tarlet sich vor den Beiden auf die Knie sinken und hob einen zerschlagen Topf auf. "Zerstört," murmelte sie mit tränenerstickter Stimme, "alles zerstört." ihr rotes Haar fiel ihr in die Stirn als sie fragend zu ihrem Vater und Himmelsstern hochsah. Frostbite schwieg und verließ die Höhle. Damit war wenigstens dieser Streit beendet. Er verlangte gar nicht, dass irgendwer ihn verstehen würde, warum er so reagiert hatte, also ersparte er sich auch einen Versuch sich zu erklären. Er bekam noch mit wie Himmelsstern versuchte, seiner Tochter zu erklären, was da eben vor sich gegangen war.

Tarlet war wie vor den Kopf gestoßen. Verwirrt sah sie ihrem Vater nach und wandte sich dann wieder Himmelsstern zu. **Ich scheine wieder alles falsch zu verstehen! Aber Vater behandelt mich nach wie vor wie ein kleiner Welpe; erzählt mir nie alles was er denkt ...und ...und ...** langsam schlug Tarlets Trauer in Trotz um.

Frostbite war Himmelsstern dankbar, dass sie versuchte sie zu beruhigen und setzte seinen Weg fort. Er umrundete den Mutterbaum und fand Ivyleave. Sie sah recht verzweifelt aus. Unfähig irgendwas zu denken oder zu tun starrte sie auf den sterbenden Mutterbaum und sie glaubte, ihr Herz müsste zerreisen. Tränen liefen ihr über das Gesicht und sie nahm nicht einmal Frostbite war. Sie hörte die Schreie der verletzten und sterbenden Bäume, sie kamen von überall. Sie wollte helfen, aber ihr Körper gehorchte ihr nicht. Sie sank auf ihre Knie und presste die Hände auf ihre Ohren - soviel Leid, sie konnte es nicht ertragen. **Fiore, was ist?** Frostbite spürte die Schreie, als er ihre Seele berührte, konnte aber nicht genau sagen woher sie kamen, er versuchte sie unter seinem Senden zu begraben **Fiore....Fiore...sieh mich an!** Er nahm ihr die Hände von den Ohren und zog sie wieder auf die Beine, mit leeren Blicken starrte sie ihn an. Sie wusste, dass sie nichts mehr für den Mutterbaum tun konnte und das raubte ihr fast den Verstand. Frostbite schaffte es mit Mühe Ivyleave zu beruhigen.

Seine Augen wanderten ein letztes Mal über das Lager. Ob sie jemals wieder einen so schönen Hain als ihr Zuhause finden würden?

Frostbite (nach einen RR)

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