Die Heilerin

Es war ein schöner sonniger Tag, Himmelsstern ging durch den Wald und lauschte auf die Geräusche des Waldes. Fröhlich pfiff sie vor sich hin. Da kam plötzlich Schneeflocke, die noch ein kleiner Welpe war, aus einem Gebüsch gewetzt.

Lachend ließ sich Himmelsstern ihr Gesicht abschlecken. #Na Schnee, was hast du gerade gemacht? Wahrscheinlich fangen gespielt, so wie du aussiehst.#

#fangen, Wald, Spaß# sendete die Wölfin zurück.

Himmelsstern setzte sich hin und säuberte das Fell ihrer Freundin. Allerdings war dass etwas schwierig, da Schneeflocke sich die ganze Zeit versuchte zu drehen und mit dem Schwanz zu wedeln. #Halt doch mal still, Schnee. Du kannst mich ja gleich abschlecken.# Für einen Augenblick hielt der Welpe still, doch nicht lange. #Na gut, ich gebe es auf.# Himmelsstern wehrte sich lachend, als die Wölfin ihr nun die gleiche Prozedur angedeihen lassen wollte. #Nicht Schnee, ich bin praktisch ganz sauber.#

Plötzlich fing Schneeflocke an zu knurren. #Was ist los Schnee?#

#Mensch.#

Himmelstern kletterte erschrocken auf einen Baum und schärfte Schneeflocke ein: #Schnee, lass dich ja nicht blicken. Versteck dich irgendwo!#

Die Elfe sah erleichtert, wie Schnee in einem Busch verschwand. Und keine Sekunde zu spät. Ein Mensch, anscheinend auf der Jagd, kam auf die kleine Lichtung gelaufen. Er hatte seinen Bogen in der rechten, einen Pfeil in der linken Hand und guckte wachsam um sich. Himmelsstern wunderte sich, denn es war eigentlich selten, dass sich Menschen so tief im Wald blicken ließen. Plötzlich hörte sie ein  Geräusch. Der Mensch anscheinend auch, denn er  blickte in die Richtung aus der es kam: Der Busch in dem sich Schneeflocke versteckt hatte. Der Elfe blieb fast das Herz stehen, als sich die Äste teilten und ein Eichhörnchen daraus hervorkam. Der Mensch legte seinen Pfeil an und wollte das Eichhörnchen erlegen, doch es war zu schnell für ihn und hüpfte auf den nächsten Baum. Der Pfeil jedoch flog in den Busch hinein. Schneeflocke gab ein knurrendes Geräusch von sich und der Mensch, der dachte es sei ein wildes Tier, lief schnell den Weg den er gekommen war zurück.

Himmelsstern kletterte von ihrem Baum hinunter. Als sie den Busch erreicht hatte bog sie die Zweige auseinander und entdeckte Schneeflocke auf dem Boden liegend, den Pfeil in ihrer Brust steckend. #Schmerz.#

#Oh Schnee,  tut es sehr weh?#

Die Elfe zog ihre Wölfin unter dem Busch hervor und auf die Lichtung. Da erst entdeckte sie, dass ihre Wölfin im sterben lag. Der Pfeil war zwar nicht ins Herz eingedrungen, aber knapp daneben. #Du darfst nicht sterben. Du bist doch noch so jung, und ich brauche dich!#

Himmelsstern schluchzte. Sie wusste, bis die Heilerin hier war, würde das Tier schon tot sein. Die Elfe wünschte mit aller Kraft die sie hatte, dass Schneeflocke überleben würde. Der Welpe war das einzige, was sie hatte und so hoffte sie auf ein Wunder.

Himmelsstern war so verzweifelt, und hatte schon fast aufgegeben, als sie plötzlich Wärme spürte. Verwundert machte sie ihre verweinten Augen auf und sah, dass ein Licht von ihren Händen ausging. Auf einmal konnte sie in das Innere von Schneeflocke sehen. Alle Knochen, Gelenke und den Pfeil! Sie entfernte ihn in Gedanken, und tatsächlich, als sie ihre Augen wider aufschlug lag er neben ihr im Gras.

#Schnee, ich kann heilen! Ich kann heilen! Ich kann dich retten.#

Als ihr das Bewusst wurde, durchströmte sie eine unbändige Freude. Doch durch einen „Jauler“ von Schneeflocke wurde sie schnell wieder in die Realität zurückgeholt.

#Ja sofort, Schneeflocke. Ich werde dich heilen.#

Himmelsstern machte sich wieder an die Arbeit. Sie versuchte, sich zu erinnern, wie es passiert war und alles wieder so zu machen. ‘Eigentlich wollte ich nur, dass mein Liebling wieder gesund wird. Vielleicht muss ich es nur wirklich wollen.‘

Sie legte ihre Hände auf die Wunde und stellte sich mit aller Willenskraft die sie aufbringen konnte vor, dass diese sich schloss. Es dauerte ein bisschen, und die Elfe dachte schon, dass sie sich alles nur eingebildet hatte, doch plötzlich spürte sie wieder diese Wärme. Und da sah sie in ihren Gedanken, wie sich die Wunde schloss. Sie reparierte alles, von dem sie dachte, dass es nicht so aussehen sollte.

Dann öffnete sie ihre Augen wieder und sah Schneeflocke noch etwas erschöpft, aber sonst putzmunter neben sich auf dem Boden liegen. #Geht es dir wieder gut? Ich habe dich wirklich geheilt! Ich kann es nicht glauben, dass ich Heilerin bin.#

#geht gut. Müde.#

#Ja, ein Nickerchen kann ich jetzt auch gebrauchen. Heilen ist anstrengend, so erschöpft war ich noch nie. Gehen wir aber ein bisschen tiefer in den Wald. Wer weiß, ob dieser Mensch wieder kommt.#

Die zwei gingen tiefer in den Wald, und legten sich unter einen großen Baum. Himmelsstern lehnte sich an ihre Wölfin. Sie wollte noch über so vieles nachdenken, doch sie schlief fast sofort ein. #Gute Nacht Schneeflocke.#

 

Als die kleine Heilerin wieder aufwachte, war Schneeflocke nicht mehr da. Doch sie wusste, dass Schnee nur jagen war. Mit einem Schlag fiel ihr ein, dass sie heilen konnte. Ganz aufgeregt lief sie zum Hain zurück und sendete schon im voraus: *Windwhisper, Sitar, ich kann heilen!!*...    

Himmelsstern (c)

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