Ein ganz normaler Tag

Es war Winter geworden. Letzte Nacht war Neuschnee gefallen und der Schneewald machte seinem Namen alle Ehren. In seiner weißen Pracht regelrecht glänzend, ging über ihm langsam die Sonne auf.

Ein Eichhörnchen suchte sein Wintervorratslager auf. Es bemerkte nicht, dass Windwhisper es beobachtete. Sie saß hoch oben in einem Baum, eingemummelt in einen Fellumhang. Neben ihr saß ihre Schwester Himmelsstern. Vor kurzem war die Sonne wieder aufgegangen und Himmelsstern verabschiedete die letzten Sterne. Ein kalter Wind kam auf und zerzauste die Haare der beiden Elfen, welche sich noch nicht dem Alltag im Lager hingeben wollten.

So empfand heute morgen wohl auch die Anführerin der Sternjäger. Nimoë hatte sich an die beiden herangeschlichen. Sie wartete auf einen günstigen Moment und hielt Windwhisper dann die Augen zu. "Rate, wer könnt ´s sein !" flüsterte sie. Windwhisper kam natürlich schnell dahinter, dass es sich nur um ihre Geliebte handeln konnte. Sie griff sich etwas Schnee von dem Ast, auf dem sie saß und drückte es Nimoë als Antwort ins Gesicht.

Lachend sprangen die Elfen vom Baum und begannen eine Schneeballschlacht. Der Hain war plötzlich erfüllt von den fröhlichen Racheschwüre. Schneebälle begannen herum zufliegen. Erst verlief die Schlacht nach dem Motto jeder gegen jeden. Doch dann schaffte es Nimoë die beiden anderen unter einer kleinen Lawine zu begraben, in dem sie den Schnee von einem Baum runterschüttelte, auf den sie sich vor den Schneebällen in Sicherheit gebracht hatte. Schnell verbanden Windwhisper und Himmelsstern ihre Wurfkünste gegen ihre Anführerin. Einer ihrer Wurfgeschosse wagte es doch tatsächlich, Nimoë zu treffen. Der Schneeball stahl ihr für kurze Zeit die Luft. Grimmig sah sie zu Windwhisper und Himmelsstern hinüber, die sich vor Lachen die Bäuche hielten, bis sie selber begann zu lachen.

Langsam legte sich der aufgewirbelte Schnee um die drei und gab Sitar wieder den Blick frei auf das Treiben der Elfen. Er lehnte an einem Baum. Da erblickte Windwhisper den Beobachter und begrüßte ihren Drilling mit einem Schneeball. Dieser sauste auf Sitars Gesicht zu, was zu überraschend geschah, o das er unfähig war, ihm auszuweichen. Schnell wurde die Schlacht wieder aufgenommen und wieder flog Schnee durch den Wald.

Die Kämpfenden bemerkten den herannahenden Wolftrace nicht. Dieser bahnte sich seinen Weg auf Luckystar durch den Schnee. Es war nicht gerade schwer gewesen für den erfahrenen Jäger die Elfengruppe zu finden. Er blieb kurz stehen, um ein paar Schneebälle zu formen. Diese trafen ohne Vorwarnung auf Nimoë und Windwhisper, seine beiden Gefährtinnen. Aber diese nahmen ihm das erst einmal nicht krumm und begrüßten ihn mit einer Umarmung. Vorerst. Nimoë fiel Wolftrace um den Hals und lenkte ihn ab. Hinter seinem Rücken zwinkerte sie Windwhisper, Himmelsstern und Sitar zu und zeigte verschwörerisch auf den Schnee. Wolftrace witterte aber das Vorhaben und zog Nimoë fester an sich, hob sie hoch und drehte sie dann mit dem Rücken zu Windwhisper und den anderen, sodass sie die ganzen Schneebälle abbekam. Dann küsste er sie zärtlich, lies sie los und sprang in Deckung. " Ha, das war wohl nichts! " Ein nicht ganz zu definierender Schrei verließ Nimoës Lippen und vollführte dann einen ulkigen Tanz, um den Schnee aus ihrem Kragen zu kriegen. "Und das mir!" rief sie unter glucksendem Lachen. Der Schnee schmolz eher, als dass sie ihn aus ihren Sachen herausbekam. Nach einer Weile aber musste sie die Felle enger um sich schlingen, denn sie begann am ganzen Körper zu zittern. Ihre Lippen waren schon dunkelviolett angelaufen. Doch ihr Stolz ließ es nicht zu, nach Hause zu gehen, und sich auf warme Felle zu legen. Sie hatte den Dickkopf eines Anführers. Und bald eine starke Erkältung. Bewegung würde sie sicher wieder etwas aufwärmen. Als ob Wolftrace ihre Gedanken lesen konnte, hakte er sich bei seinen Gefährtinnen ein und wollte mit ihnen spazieren gehen. Während Nimoë entschied, ob ihr grade danach war oder nicht, schlüpfte Himmelsstern unter dem Mantel ihres Bruders. Die Entscheidung fiel nicht auf den Spaziergang, Nimoë wollte nun doch lieber ein wärmendes Feuer. Den Anderen gab sie vor, dass sie nur nach dem Feuer sehen wollte auf das es nicht ausginge. Sie sprang auf ihren Wolf und ließ den Schnee hinter sich aufwirbeln. Sie hinterließ ein paar verdutzte Elfen, welche unschlüssig wurden. Spaziergang oder Feuer? Das wärmende Feuer gewann. Die kleine Gruppe versammelte sich um ein Feuer im Lager und die ausgestrahlte Wärme kroch langsam an den Elfen hinauf. Jedoch kam für Nimoë diese Wärme zu spät. „Hatschiii.“ Verlegen räusperte sie sich und erntete nur besorgte Blicke. Sie wussten, dass es Nimoës Stolz nicht zu lassen würde, dass sie zugäbe sie wäre krank. Himmelsstern, die ihren Bruder als Kopfkissen benutzte, bot an sie zu heilen. Energisch behauptete aber, dass nötig wäre. Außerdem fand sie, dass eine Erkältung kein Grund für eine magische Heilung war. Als Ablenkung gedacht, holte sie einen wassergefüllten Topf, setzte ihn auf das Feuer und mischte Traumbeerensaft drunter. Das Gebräu kochte sehr bald und Nimoë kostete. Dieses Rezept war die beste Heilung für ihre Erkältung. Ihre Nase und Wangen bekamen wieder Farbe und ein zufriedenes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. In Gedanken danke sie ihren Vater für dieses Geschenk. Die Anderen merkten sehr wohl, dass das Zeug in dem Topf ziemlich gut sein musste und bedienten sich ebenfalls. Die Warnung Nimoës, dass zuviel davon Kopfschmerzen verursachen konnte, wurde großzügig überhört. Schneefalke wurde auf die kleine Gruppe am Feuer aufmerksam. Der neugierige kleine Welpe wollte natürlich auch was von diesem anscheinend gefährlichem Gebräu.

Auch als die Sonne höher stieg, wurde es trotzdem kein warmer Nachmittag. Dafür erwachte der restliche Stamm und Leben kam ins Lager.

Frostbite kroch aus seinem Bau. Geblendet vom Schnee hielt er kurz die Hand vor die Augen. An die Helligkeit gewöhnt, sah er sich um und erblickte die Elfengruppe am Feuer. Er setzte sich zu ihnen ohne ein Wort zu sagen. Ihm war das Feuer zu klein und nicht warm genug, deshalb ließ er das es größer werden durch seine Magie. Nimoë sprang erschrocken zurück. Sie hatte großen Respekt vor Feuer und das die Flammen so plötzlich höher loderten, gefiel ihr nicht. Bevor sie aber Frostbite dafür rügen konnte, wurde es von den Anderen als Gut befunden. Ihr flüchtender Sprung wurde leicht belächelt und Wolftrace bot seinen Schutz vor dem bösen Feuer an. Um Nimoë nicht weiter zu reizen, ließ Frostbite das Feuer in Ruhe. Eine kleine Flamme tänzelte aber noch um seine Hand. Ungläubig schüttelte er seine Hand, als ob davon die Flamme verschwinden sollte. Manchmal konnte er seine Kräfte nicht gleich zum Schweigen bringen und musste anderweitig nachhelfen. Er steckt seine Hand dann doch in den Schnee, der leicht zu zischen begann. Inzwischen hatte sich Nimoë zu Wolftrace geflüchtet und legte sich auf sein Knie. Sie schloss die Augen und nahm Klänge ihrer Umwelt in sich auf, das Knistern des Feuers, das fröhliche Geplapper ihrer Freunde, und den dumpfen Herzschlag ihres Gefährten. Als sie Frostbite ‚brennen’ sah, kicherte sie und meinte "Du machst dich schlecht als lebende Fackel, Frostbite. Ich glaube, Du solltest noch ein bisschen an deiner Fähigkeit feilen." Grinsend zwinkerte sie ihm zu. Auch Sitar gab dazu einen Spruch ab. Frostbite sah seine Hand an, er verbrannte sich ja nie selbst, aber vorsichtshalber suchte nach Verbrennungsspuren. Bei den Worten von Nimoe verfinsterte sich leicht sein Blick, aber nur für einen flüchtigen, fast unmerklichen Augenblick. *Fackel... pah... * er winkte ab. Die Aufmerksamkeit galt nun Schneefalke, die von versteckten Traumbeeren erzählte und ihre zwei erlegten Hasen präsentierte. Wolftrace befürchtete, dass das seine Traumbeeren sein könnten und fragte nach. Ein angesauster Trinkschlauch hinderte ihn daran, noch mehr Fragen über Schneefalkes Traumbeeren zu stellen. Diese Rettung verdankte Schneefalke Windfall, die gerade aus dem Wald auf ihrem Wolf dazu gekommen war. Der Schlauch wanderte zwischen den Elfen weiter und Windfall begab sich zu Sitar. Wärme suchend setzte sie sich zu ihrem Gefährten. Als auch Schneefalke nach dem Traumbeerensaft greifen wollte, hatte Frostbite leichte Einwände und bezweifelte, dass kleine Welpen das schon trinken dürften. Windwhisper grinste frech zu Frostbite "Dann sollten wir dir ganz schnell den Schlauch wegnehmen." Unschuldig sah er zu Windwhisper *Was möchtest du mir damit sagen? * Ein Lachen und eine Betitulierung als Kind waren die Antwort. Himmelsstern stimmte ihrer Schwester wie sollte es auch anders sein zu. Trotz allem bekam Schneefalke nun doch das Recht zugesprochen, schon alt genug für Traumbeerensaft zu sein. Auch wenn sie für Windwhisper immer ein Welpe bleiben würde. Triumphierend sah Schneefalke Frostbite an und knuffte ihn in die Seite. Dieser gab auf und machte sich auf in den Wald, aber nicht ohne sich bei Schneefalke zu revangieren. Sie grinste ihm hinterher und fragte wo er denn hin wolle und wann er wieder komme. Frostbite irritierte ihr plötzliches Interesse an seinem Tun. **Warum willst du das wissen? So neugierig? Folge mir doch.** Was sie dann auch tat.

Der Schlauch war auf einmal dummerweise leer. Wie war das nur geschehen? Windwhisper stellte fest, dass sie nicht aus eigener Kraft zu ihrer Wohnhöhle kommen würde. Windfall bot sich natürlich als Stütze an, schließlich hatte sie den Traumbeerensaft gebraut.

Es wurde mehr Traumbeerensaft besorgt, als sich noch Vanka und Ivyleave zu ihnen gesellte. So langsam zeigte der Saft bei allen seine Wirkung und Windfall verfiel ins Grübeln, ob sie ihn nicht doch zu stark gemacht hätte. Die Anderen waren ganz und gar nicht ihrer Meinung.

Was nun am Feuer ausbrach, mussten sich Schneefalke und Frostbite glücklicherweise nicht mit ansehen. An sich wollte Frostbite nur einen Kontrollgang um das Lager machen, ob noch alle Fallen betriebstüchtig waren. Schneefalke wollte aber lieber ihrem Spieltrieb nachgeben. Frostbite wehrte sich hartnäckig gegen das Vorhaben einen Schneewall zu errichten. Unter seinen Händen würde dieser schneller schmelzen, als Schneefalke ‚Schneewall’ sagen konnte. Zur Untermalung seiner Worte, ließ er eine kleine Flamme um seine Hand züngeln. Doch Schneefalke wollte nicht aufgeben und schnappte sich Frostbites Kragen und stopfte Schnee hinein. Ein kleines Rangeln folgte. Schneefalke zerrte an seinem Arm, woraufhin Frostbite sie einfach losließ, so dass sie im Schnee landete *Genug jetzt. * Schneefalke wollte das hier später aber fortsetzen. Sie entschlossen sich ein kleines Kampftraining daraus zu machen. Der Kontrollgang wurde unterbrochen, beide gingen zurück, um ihre Waffen zu hohlen. Frostbites Augen blitzten kurz auf  *Wer als Letztes im Lager ist, ist ne faule Traumbeere.* rannte los und machte aus vollem Lauf einen Satz in die Bäume. Schneefalke nahm das als Aufwärmtraining und setzte alles daran Frostbite einzuholen. Ein kleiner, aber sehr schneller Vogel überholte ihn schließlich.

Ivyleave war Schneefalke und Frostbite in den Wald gefolgt, sie wollte nach einigen Samen suchen, die nur im Winter zu finden waren. Da entdeckte sie den Elfen im Baum *Geliebter, was machst du da oben?* Frostbite wurde durch das Senden von Ivyleave total verwirrt und griff daneben. Mit einem Aufschrei landete er vor ihr auf dem Boden. Den Hohen sei dank, hatte er nicht den Weg durch die Baumkronen gewählt. Er knurrte und rieb sich sein Hinterteil. Er sah seine Gefährtin an *Das war unfair!* und spielte den Beleidigten. Schneefalke setzte ihren Weg unbeirrt fort und versicherte, die Waffen zu hohlen. Ivyleave erkundigte sich lächelnd nach dem Vorhaben der Beiden. Sie zog einen kleinen Beutel hervor und ihre Frage vergessend begann sie, mit leuchtenden Augen den Inhalt vor Frostbite auszubreiten. Frostbite vergaß seinen kleinen Ärger. Es verwunderte ihn immer wieder, wie sehr sich Ivyleave über so kleine Dinge wie Samen so dermaßen freuen konnte. Er liebte ihre Augen, wenn sie vor Vergnügen leuchteten und deshalb hatte sie auch meistens seine ungeteilte Aufmerksamkeit, wenn sie in ihrem kleinen Garten waren und sie ihm alles Mögliche über jede einzelne Pflanze erzählte. *Üben* antwortete er kurz. Schneefalke kam mit den Waffen zurück und übergab Frostbite seinen Kampfstab. Als die Waffenwahl von Schneefalke beendet war, begann der kleine Übungskampf. Er zeigte ihr ein paar Tricks, wie sie mit ihrem Schwert umgehen konnte. Als sie einen Treffer landete, war er zufrieden und wollte, dass sie nun auch ihre Magie in den Kampf eingliederte. Ein paar scharfe Klauen sind eben effektiver als zarte Elfenhände. Schneefalke bezweifelte, dass sie das heute noch einmal schaffte. Frostbite hielt das nicht für Gut, sie sollte lerne alle ihre Fähigkeiten zu beherrschen. Sie beendeten das Training. Schneefalke zog sich zurück und Frostbite begab sich in die Arme von Ivyleave.

Langsam begann sich die Gruppe am Feuer aufzulösen. Wolftrace erhob sich, küsste zärtlich die eingeschlafene Windwhisper und ging in den Wald und versuchte wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Er bemerkte den leicht bedauernden Blick von Himmelsstern nicht, die kurz nach ihm auch in den Wald ging. Die Elfe wollte nicht allein zwischen den Pärchen am Feuer sitzen. Auf einer Lichtung unter einen Baum wartete sie auf ihr Wölfin. Sie seufzte. Sie hätte auch so gerne jemanden gehabt, den sie lieben konnte. Ungewollt liefen ihr Tränen

übers Gesicht. Die Elfe verbarg ihr Gesicht im Fell von Schneeflocke. Schließlich, erschöpft vom Weinen schlief sie ein. Icefire fand die schlafende Himmelsstern und setzte sich neben sie. Noch zögerte sie und weckte sie nicht auf. Einen blass-grünen Stein hielt Icefire betrachtend in ihrer Hand. Dieser winzige Stein, den sie in den Bergen gefunden hatte, rief ihr die Erinnerungen an Keor so heftig wieder ins Gedächtnis, dass es ihr vorkam als hätte sie seine Augen erst Gestern zum letzten Mal gesehen. Unwillig runzelte sie die Stirn, sie wollte nicht daran denken. Also weckte sie Himmelsstern dann doch. Himmelsstern rieb sich die geröteten Augen. *Hast du geweint?* fragte Icefire. Himmelsstern vertraute ihr ihre Sorgen an. Beide suchten nun nach den richtigen Partner für die Heilerin, der mit ihr die Felle teilte. Für Icefire wurde diese Unterhaltung unangenehm. Zu viele schlechte Erinnerungen wurden dabei hervorgerufen. Um nicht noch mehr ins Trübsalblasen zu kommen, machten die beiden einen kleinen Wettlauf. Icefire wählte den Weg über die Bäume und stieß irgendwann auf einen Fluss. Zwar war dieser hier tief genug, aber die Temperaturen luden nicht gerade zu einem Bad ein. So sprang sie auf einen Weidenbaum und wollte sich an den Ästen über den Fluss schwingen. Himmelsstern konnte noch erkennen, wie Icefire ein unfreiwilliges Eisbad nahm. Als der erste Schock von beiden verdaut war, begannen sie zu lachen.

Der Wind trug ein traurig-schönes Flötenspiel über den Hain. Ein Reh hob verwundert den Kopf und sah Richtung Fluss. Wolftrace hatte sich den Fluss als Ausnüchterungsstelle ausgesucht, lehnte an einem Baum am Uferrand und sah beim Flötenspiel auf das Wasser. Er war aber nicht nur hierher gekommen, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Gedanken machten sich breit in ihm, solche die nur ihm gehörten. Der Wind trieb die Melodie auch zu Windwhispers Ohren, wovon sie wieder erwachte. Niemand war mehr am Feuer, denn auch Sitar und Windfall hatten sich mit einem eindeutigen Lächeln in ihre Höhle zurückgezogen. Sie streckte ihre Glieder und wurde nun ganz der ihr wohlbekannten Melodie gewahr. Sie folgte ihr und den Spuren ihres Gefährten im Schnee. Bald darauf fand sie ihn, aber irgendwas hinderte sie daran zu Wolftrace zu gehen. An seiner Haltung erkannte sie, dass er nachdachte und sie wusste, dass er dabei lieber allein blieb. Sie gönnte ihm die paar Momente des Alleinseins und stahl sich leise davon. Lächelnd musste sie sich eingestehen, dass sie alles gegeben hätte, um diese geheimen Gedanken zu erfahren. Wolftrace spürte, dass er beobachtet wurde. Er wandte den Kopf und sah wie ein wehender Fellumhang von den Schatten des Waldes aufgenommen wurde. Er setzte sein Flötenspiel fort, diesmal mit einem anderen Lied und folgte wissend lächelnd der Gestallt. Schließlich verschwand auch diese Gestallt in den Schatten des Waldes.

Einsam und verlassen lag der Fluss wieder still da. Sein Wasser färbte sich in der untergehenden Sonne rötlich-golden. Allein der Wind begleitete den Lauf ein Stück zu seinem Bestimmungsort dem Meer. Und trug auch die Melodie des Flötenspiels mit sich. Sie wurde immer leiser und verstummte schließlich.

Frostbite (nach einem RR)

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