Rückkehr (1)

Angespannt lauschend starrte die Elfe mit schreckgeweiteten Augen in die Dunkelheit. Regungslos, mit den schmalen Händen fest den Griff ihres Dolches umklammernd, lag sie bäuchlings, halb unter einem riesigen Dornenstrauch verborgen, auf dem feuchtkalten erdigen Boden. Arme und Wangen, von Dornen zerritzt und ungeschützt vor eisigem Wind und Nässe, brannten wie Feuer. Das zerfetzte Leder, welches sie noch am Körper trug, war durchdrungen von der modrigen Feuchte der Erde und fühlte sich starr und schwer an. Doch sie nahm nichts davon wahr. All ihre Sinne waren darauf gerichtet, die nächsten Augenblicke zu überleben, vielleicht sogar diese Nacht. Was immer ihr da gefolgt sein mochte und sie zur Beute erkoren hatte, sie würde nicht unvorbereitet und kampflos diese Welt verlassen. Nicht jetzt. Kalter Schweiß rann ihre Schläfen hinab, ihre Kehle war rau und trocken. ‚Komm schon! Hol mich, wenn du kannst.’ dachte sie bitter. Doch kein Geräusch, kein Geruch sagte ihr, wo ihr Verfolger lauerte. Misstrauisch kroch die junge Elfe langsam ein wenig unter dem Strauch hervor, lag still, lauschte die Nase prüfend in den Wind haltend. Es hatte geregnet. Die Nacht war finster, klirrend kalt und bis auf den unheimlich heulenden Wind war es seltsam still. Zu still. Die Stimmen der Dunkelheit, welche sie so liebte, waren verstummt. Als würde der Wald den Atem anhalten. Vorsichtig und lautlos stemmte sie die Arme in den Boden, zog sich auf die Knie und prüfte noch einmal sorgfältig ihre Umgebung. Unsicher richtete sie sich schließlich auf, wankte ein paar Schritte und fing an zu laufen. Sie rannte. So schnell es ihre wunden Füße erlaubten. Trotz der lähmenden Kraftlosigkeit, die ihr die Glieder schwer machte, schaffte sie es schließlich, einen der hohen Bäume zu erklimmen, und sich hoch in seinen Ästen in Sicherheit zu bringen.
Außer Atem und mit ein paar Schrammen mehr, gab sie schließlich der Erschöpfung nach, schloß ihre Augen und schlang die Arme um den zitternden Leib.

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Es war noch früh, die Dämmerung ließ noch auf sich warten, und Sitar war zu einem seiner üblichen Streifzüge aufgebrochen. Er hatte seine zwei Schwerter umgebunden, den Langbogen und den Köcher mit den Pfeilen umgehängt und seiner noch schlafenden Gefährtin einen Kuss auf die Stirn gegeben. Mit einem liebevollen Lächeln betrachtete er Windfall und wandte sich dann zum gehen. Draußen wartete schon sein Wolfsfreund Lightning auf ihn. #jagen jetzt# *Nein mein Freund, heute nicht! Ich will mich etwas umsehen.* #mitkommen# Sitar seufzte tief *Es tut mir leid, Lightning, auch das muss ich verneinen. Ich möchte weit über die Grenzen des Jagdgebietes gehen und da ist fliegen einfach schneller. Außerdem musst du auf Windfall aufpassen. Sie ist imstande und stellt wieder etwas an. Auf Beißer kann ich mich nicht verlassen. Dieser Wolf macht dabei noch begeistert mit.* Sitar verzog das Gesicht und verdrehte die Augen. Für einen Moment sah Lightning so aus, als würde er grinsen. Dann legte er sich vor den Baum, in dem sich die Schlafhöhle befand. #aufpassen#.

Sitar erhob sich und flog über den Wald. Lange Zeit sah er nur grüne Bäume, vertraute Pfade und den kleinen Fluss. Er genoss den Wind in seinem Gesicht, und die wärmende Sonne auf seiner Haut. Hin und wieder lichtete sich der Wald, nur um dann wieder dichter zu werden. Je weiter sich Sitar vom Lager seines Stammes entfernte, desto schlanker und dunkler wurden die Bäume. Er wusste, dass noch ein Stück weiter der Wald sich noch mehr verändern würde. Hohe Bäume, die kaum Äste hatten, um auf ihnen zu klettern. Nur ganz oben, in den Baumkronen fand sich dicht belaubtes, dürres Geäst. Und dann, hinter diesem Waldstück, welches das Ende der Schneewälder markierte, begannen die Grasebenen. Weit entfernt vom Stammesgebiet. Zu weit, als dass Sitar sie je gesehen hätte.

Der Tau auf den Blättern glitzerte in der Sonne und machte ihn mit der Zeit fast blind. Er entschloss sich, einige Zeit zu Fuß zu gehen. Nach einer sanften Landung streifte Sitar durch den Wald. Alles roch frisch und gleichzeitig modrig schwer vom vergangenen Regen. Hin und wieder nahm er den Geruch eines Tieres wahr, bis plötzlich ... Sitar runzelte die Stirn und duckte sich. Vorsichtig pirschte er weiter, eines seiner Schwerter lautlos ziehend. Er spähte zwischen den Zweigen eines Gebüsches hindurch, verharrte dann still. Ein Lager. Gut versteckt zwischen den dicken Wurzeln eines abgestorbenen Baumes. Anscheinend war es verlassen ... fluchtartig verlassen worden sogar, wie es aussah. Und was auch immer der Anlass zur Flucht gewesen war, es schien mächtig gefährlich gewesen zu sein. Der zurückgelassene Bogen bewies es nur zu gut. Niemand würde seine Waffen zurücklassen, nur in allerhöchster Gefahr und Zeitdruck. Die Gerüche hier waren schwach, fortgewaschen vom Regen und überlagert von jenen der Tiere, die diesen Platz ebenfalls entdeckt, und wieder verlassen hatten, nachdem es hier nichts besonderes zu holen gab. Es war schwer zu sagen, wem dieses Lager gehört haben mochte. Sitar konnte nicht identifizieren, ob es sich bei dem Flüchtling um einen fremden Elfen oder einen Fünffinger handelte.

Der aufgewühlte Boden rund um das Lager erzählte jedenfalls von einem Kampf und, Sitar konnte es nur vermuten, einer gelungenen Flucht. Er nahm den Bogen an sich und beschloss der Spur zu folgen. Falls Fünffinger in der Nähe waren, wollte er es wissen. Die Sicherheit des Stammes könnte davon abhängen. 'Es ist wohl besser, ich fliege wieder. Ich habe keine Lust mich von irgendetwas überraschen zu lassen.' Er erhob sich wieder in die Luft und folgte der Spur, die sich für ein geübtes Auge recht deutlich auf dem dunklen, feuchten Erdboden ablesen ließ.

Es dämmerte, als Sitar bemerkte, dass sich die Spur teilte. Der Verfolger schien von seiner Beute abgelassen zu haben. Nach kurzem Zögern folgte er weiter der Beute, wie er das unbekannte, fliehende Wesen in Gedanken genannt hatte. Kurz machte er Rast und zog sich in die Krone eines Baumes zurück, um ein wenig zu dösen.

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Vor Kälte zitternd erwachte sie. Der Tagstern begann bereits wieder zu sinken ... sie musste lange geschlafen haben. Verwirrt blickte die junge Elfe um sich. Wo war sie? Sie strich sich die verklebten Strähnen ihres Haars aus dem Gesicht und versuchte einen klaren Kopf zu bekommen. Doch die Welt um sie herum schien sich zu drehen, jedes Geräusch dröhnte laut wie Donner. Sie fühlte sich schwach und schmutzig, und sie hatte Durst. Vorsichtig bewegte sie sich und verzog leicht das Gesicht. als sich dabei ihr schmerzender Körper meldete. Eine grauenvolle Nacht lag hinter ihr. Ob diese ebenso furchtbar werden würde? Mühsam und bedächtig schob sie sich vom Ast und ließ sich den Baum hinunter gleiten. Landete schließlich mehr stürzend als kletternd am Boden. Ein flüchtiges, ironisches Schmunzeln stahl sich auf das schmutzige Gesicht der jungen Elfe als sie an sich herunter sah. Sie bot einen mehr als erbärmlichen Anblick, und roch wohl auch ebenso. Kein Wunder, dass sie gejagt wurde. Leichte, schwache Beute. Doch sie hatte nicht vor, sich auffressen zu lassen. Sie musste wieder zu Kräften kommen. Essen, schlafen ... Aber zum Jagen brauchte sie Waffen. Und alles was sie noch bei sich hatte war dieser Dolch. Sie konnte umkehren, zurück zum Lager, und holen, was sie brauchte. Doch dabei würde sie Zeit verlieren und riskieren noch einmal in das Jagdrevier dieses ... nun was auch immer es gewesen sein mochte, zu geraten. Ein abschreckender Gedanke. Sie schüttelte sich. Nein, es musste auch so gehen.

Nachdenklich starrte sie eine Weile in das Stückchen Himmel, das zwischen den dichten Baumkronen zu sehen war. **Blade.** Ob er verstanden hätte, warum sie gehen musste? Vielleicht. Aber sie wäre ja nicht gegangen wenn ... nein! Nicht nachdenken, keine Zweifel! Dafür war es zu spät! Trotzdem dachte sie an ihn, immerzu. Auch wenn sie versuchte, es nicht zu tun, ständig war er in ihren Gedanken! Sie vermisste ihn ... er fehlte ihr, sie alle fehlten ihr! Ohne ein Wort zu verschwinden, war vielleicht ein Fehler gewesen. Aber anders hätte sie nicht die Kraft gefunden. Leicht röteten sich ihre Wangen, als sie an den Kampf dachte ... und an Roonen. Scham und Unbehagen stiegen in ihr auf. Der Preis, zu bleiben, wäre zu hoch gewesen.

Trotzdem quälten sie immer wieder die gleichen Fragen, seit sie die R’theya verlassen hatte. Der Stamm hatte ihr ein Zuhause gegeben. Vor einem Mond hatte sie allem den Rücken gekehrt. Für immer. War einfach davongelaufen wie ein Kind ... ohne nachzudenken. Die junge Elfe wischte sich über die schmutzige Wange. Innerlich lächelte sie bitter. Ob Roonen nach ihr gesucht hatte? Oder war er einfach nur froh gewesen, dass sie nun endlich fort war. Der Schandfleck in seinem perfekten Leben ... endlich weg. Doch es gab auch andere, die nicht froh sein würden. Freunde. Blackthorn würde nicht froh sein. Ihr gegenüber war es nicht fair gewesen ... jetzt, da sie erst ihren Bruder verloren hatte. Aber sie war nicht allein, sie hatte Shelter. Trauer und Sehnsucht lagen im Blick der jungen Elfe, als sie das Spiel der Wolken betrachtete. Sie vermisste sie sosehr. Aber sie hatte es nicht mehr ertragen.

Jetzt jedenfalls würde Roonen keine Gelegenheit mehr haben, in ihre Gedanken zu kriechen ... in ihre Seele. Dorthin, wo sie ihn nicht haben wollte. Und sie würde seinen Seelennamen vergessen. Einfach vergessen, dass es ihn gab. Harte blaue Augen, und ein verächtliches Lächeln drängten sich in ihre Erinnerungen. Sie fühlte den kalten Blick des Felsformers tief in ihr Innerstes dringen ... Ishtar ... und erschauerte. ‚Er ließ Blade sterben, wie kann er ein Teil meiner Seele sein?!’ Trotzig presste sich der weiche Mund zu einem harten Strich. Unmöglich hätte sie auch nur einen Moment länger bleiben können.

Entschlossen setzte sie sich in Bewegung. Also nicht zurück zum Lager, aber hier konnte sie auch nicht bleiben. Sie musste eine Wasserquelle finden, einen Fluss ... irgendetwas. Gut. Die Gedanken vorwärts richten, nicht mehr zurück zu blicken. Sie lief einfach weiter, auf der Suche nach irgendeinem Zeichen der Orientierung. Immer wieder sah sie sich um, schreckte beim kleinsten Geräusch zusammen. Aber ihre trockene Kehle trieb sie vorwärts, schneller als die wunden Füße es erlauben wollten.

Es wurde schnell dunkler. Und je weiter sie lief, desto mutloser wurde sie. Bald würde die Dunkelheit vollends hereinbrechen, und es sah nicht so aus als würde sie mit ihrer Suche Glück haben. Sie war so müde und der Durst quälte sie. Wenigstens hielt die Bewegung sie etwas warm. Trotzdem hätte sie sich gern einfach hingesetzt, hätte der Müdigkeit gern nachgegeben ... hätte gern aufgeben. Aber dann konnte sie sich ebenso gut selbst aufgeben. Und das neue Leben, das sie in sich trug. Konnte sie das? Einfach aufgeben? Hier und jetzt ... eigentlich wäre dieser Ort so gut wie jeder andere. Warum nicht. „Warum nicht ...“ Sie erschrak, als sie ihre eigene Stimme hörte. Zitternd ging sie weiter, auch wenn ihre Schritte langsamer wurden, schleppender.

Dann sah sie es. Wasser. Roch es bevor ihre müden Augen es erblickten, fühlte es beinahe, bevor ihre Nase den schwachen Geruch wahrnahm. Am Ufer fiel sie auf die Knie, kroch ein Stück näher, um mit beiden Händen aus dem kalten Nass schöpfen zu können. Gierig, sich mühsam beherrschend stillte sie endlich ihren Durst und fiel dann rücklings ins Ufergras zurück. Ihr Herz pochte laut, ihr Atem ging rasselnd und viel zu schnell. Sie erlaubte sich, eine Weile reglos dazuliegen und einfach an nichts zu denken. Dann zwang sie sich, sich aufzusetzen und sich das Gesicht zu waschen. Kräftig rubbelte sie sich den Dreck von den Wangen, bis ihre Haut prickelte und leicht gerötet war.

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Sitar erwachte bei Einbruch der Dunkelheit und machte sich weiter an die Verfolgung der „Beute“. Nach einiger Zeit fand er den Abdruck eines kleinen Körpers in der Erde, der dort wohl auf der Lauer gelegen hatte. Er fand auch die Fußabdrücke, die zum Baum und wieder fortführten. 'Also kein Fünffinger.' dachte Sitar. 'Zu klein für einen ausgewachsenen Fünffinger. Und Fünffingerwelpen klettern auch nicht auf so hohe Bäume' Sitar untersuchte die Fußabdrücke näher. Da klebte geronnenes Blut, nicht viel, die Füße mussten wund und die Sohlen durchgelaufen sein. ‚Dann war es ein weiter Weg für den Flüchtling. Es wird Zeit, dass ich ihn finde.' Sitar erhob sich wieder in die Lüfte und folgte der Spur, die in Richtung Fluss führte.

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Reglos genoss die junge Elfe den leichten Wind, der ihr sanft durch das dunkle, rotgolden schimmernde Haar und über das nasse Gesicht strich. Was nun? Sie brauchte Nahrung, Waffen und Kleider, einen trockenen warmen Unterschlupf. Wo sollte sie anfangen? Für eine Jagd fühlte sie sich viel zu schwach. Und eine Falle zu basteln, mit der sie etwas fangen konnte, würde viel zu lange dauern. Sie brauchte etwas zu essen. Jetzt! Lange Zeit starrte sie auf den Fluss. Sie konnte versuchen zu fischen ... aber mit einem Dolch? Skeptisch biss sie sich auf die Unterlippe. Schließlich streifte ihr Blick einige abgebrochene Äste, die am Waldrand im Gras lagen. Immerhin etwas. Ächzend kam sie auf die Beine und suchte dann mit prüfendem Blick zwei Stücke aus, die ihr am besten geeignet schienen. Ungeduldig und ziemlich grob begann sie schließlich das Holz mit ihrem Dolch zu bearbeiten, es an einem Ende zuzuspitzen, damit sie es als Speer verwenden konnte. Es interessierte sie nicht wie das Ergebnis aussah, für Feinheiten hatte sie keinen Nerv. Hauptsache das Ding würde seinen Zweck erfüllen.

Tief seufzend legte sie schließlich den Dolch beiseite und musterte den behelfsmäßigen Holzspeer in ihrer Hand. Es würde schon gehen, irgendwie ... also schlüpfte sie aus den zerschlissenen Stiefeln und watete ein kleines Stück in den kalten Fluss, bis ihr das Wasser bis zu den Knien reichte. Der Grund fühlte sich unter ihren bloßen Füßen glatt und glitschig an ... stellenweise versank sie zwischen den Steinen in weichem Schlick. Entschlossen und angespannt beobachtete sie die graufarbenen Schuppentiere, die sich recht frech und neugierig um sie tummelten, wartete auf ihr erstes Opfer. Da, ein fetter großer Fisch bewegte sich auf sie zu. Icefire erstarrte, regungslos wartete sie auf den richtigen Moment. Sie griff den Speer fester, fixierte den Fisch und stach ... daneben.

Eine halbe Ewigkeit später hatte die Jägerin immer noch kein Glück ... es war entmutigend ... und es schien ihr, als würde sie für immer im kalten Wasser stehen müssen. Sie spürte ihre Beine kaum noch. Doch ihr knurrender Magen ließ nicht zu, dass sie sich geschlagen gab. Nach langem hin und her gelang es ihr letztendlich doch noch, einen Fisch zu erwischen. Klein und silbrig zappelte er auf ihrem Speer. Das würde ein karges Mahl werden. Verdrossen watete sie aus dem Wasser und beschloss eine Jagd zu wagen, sobald sie sich ein kleines bisschen besser fühlte.

Mit fliegenden Fingern brachte sie ein kleines Feuer zum lodern ... wenigstens das gelang, und so verzehrte sie alsbald gierig den halbrohen, heißen Fisch. Nachdem sie eine Weile neben dem Feuer gesessen hatte, schlüpfte sie aus ihren zerschlissenen Sachen. Vorsichtig tapste sie ans Ufer und ins kühle Nass. Die junge Elfe schauderte, es war wirklich zu kalt für ein Bad, aber sie fühlte sich so schmutzig ... Und sie roch schlimmer als ein ganzes Lager voller Fünffinger ... Kurz zögerte sie, doch sobald das Wasser tief genug war hielt sie die Luft an und tauchte in die eisigen Fluten. Prustend und ein wenig zitternd kam sie wieder an die Oberfläche, um gleich noch einmal unterzutauchen und mit kräftigen Schwimmbewegungen wieder etwas Wärme in ihre schlotternden Glieder zu bringen.

Fröstelnd hüllte sie sich nach dem Bad in ihre Sachen, rückte so nah es ging ans Feuer. Mit den Fingern durchkämmte sie die verfilzten, vor Nässe dunkel glänzenden Haare und ließ ihren Blick dabei über den Waldrand schweifen. Still war es ... und dunkel. Nur ab und zu drang aus dem Wald das Geräusch eines nächtlichen Jägers oder seiner bedauernswerten Beute. Ein leises Seufzen entschlüpfte ihr. Es war lange her, seit sie sich das letzte Mal so einsam gefühlt hatte. Fest schlang sie die Arme um ihre Knie. Damals war es Blade gewesen, der sie aus dem Lager der Fünffinger befreit hatte, der sie gerettet hatte. Und jetzt? Wer würde jetzt kommen? Niemand.

Nahe am Feuer rollte sie sich zusammen wie ein kleiner Welpe und schloss die Augen. Doch die sorgenvollen Gedanken, die durch ihren Kopf schwirrten, wollten ihr keine Ruhe lassen. Wo sollte sie hin? Hier bleiben, weiterziehen? Was, wenn es kälter wurde ... und das Kind? Sie schluckte schwer und versuchte die Tränen zurückzuhalten die in ihr hochstiegen. Sie hatte alles verloren und nichts von dem gewonnen, was sie sich erhofft hatte. Blade war tot. Blackthorn, Shelter ... all ihre Freunde weit fort. Und alles, was vor ihrem Leben bei den R’theya lag, war ein Rätsel aus wirren Traumbildern und zusammenhanglosen Erinnerungsfetzen. Am liebsten hätte sie laut geschluchzt, doch niemand würde kommen und sie trösten, keiner würde kommen und sie in die Arme nehmen. Ärgerlich wischte sie sich die nassen Wangen. Es war töricht zu weinen, was half das schon. Sie spürte, wie die Kälte ihr den Rücken hoch kroch, sie fühlte sich müde, so schrecklich müde. Kurz schüttelte ein krampfhafter Husten ihren erschöpften Körper, dann fielen ihr die Augen zu.

Icefire, Frostbite, Windwhisper & Aphrasiel (ehem. Spielerin von Sitar) (c) 01.2005

Rückkehr (2)

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