Körperliche Besonderheiten und Sinne

Wolfsfell

Allgemein setzt sich das Fell jedes Wolfes aus verschiedenen Farbtönen zusammen, die gemeinsam den Gesamtton ergeben – alte Wölfe meist grauer sind als junge. Das Wolfsfell besteht aus dem Deckhaar und dem Unterfell. Das Deckhaar (ca. 10cm lang) dient dazu vor Nässe und Regen zu schützen, während das Unterfell der Wärmeerhaltung im Winter dient und im Frühjahr verloren geht.

Die Farbgebung des Wolfes richtet sich nach seiner natürlichen Umgebung um ihm eine gute Tarnung zu geben. Wölfe die vorwiegend in den Wäldern zu Hause sind, zeigen dunkles bis schwarzes Fell. Dort wo die Farben der Vegetation eher wechseln, stehen mischfarbige Felle im Vordergrund.

Die Fellzeichnung des Wolfes hebt meist besonders Augen und Ohren hervor - da Augenkontakt und Stellung der Ohren in der Körpersprache der Wölfe von hoher Bedeutung sind. Das Fell um die Augen unterstreicht deren Ausdruckskraft, und lässt sie größer erscheinen als sie tatsächlich sind. Bei den Ohren sind die Ränder hell eingefärbt, das Innenohr dunkel. Durch diesen Kontrast sind die Ohren meist gut erkennbar.

Der Wolf kann sein Fell auch noch in anderer Art und Weise zur Kommunikation nutzen – er kann es sträuben und dadurch größer wirken (Drohgebärde bei Rangstreitigkeiten etc.)

 

Gehör

Wölfe haben ein ausgezeichnetes Gehör. Sie können bis zu 10 km entfernte Geräusche hören, sogar Hochfrequenztöne, wie z.B. die Laute der Fledermäuse. Der Wolf kann auch leicht bestimmen, woher ein Geräusch kommt, da sie beweglich sind und sich dementsprechend ausrichten lassen. Sogar kleine Nagetiere im Tiefschnee können vom Wolf ausgemacht werden.

Das Heulen eines Artgenossen können Wölfe über weite Distanzen hinweg hören (ca. 6 Kilometern).

 

Sehsinn

Der Wolf besitzt wie die meisten Raubtiere einen 180°-Blick. Seine Augen liegen nicht seitlich, sondern sind nach vorne gerichtet – wodurch die Sehfelder sich überschneiden und dreidimensionales Sehen erlauben.

Nahe gelegene Gegenstände erkennt der Wolf eher schlecht (ähnlich wie bei einem weitsichtigen Menschen) wobei er jedoch die Gestalt an sich sehr wohl präzise erkennt. Nur nicht in ihren Details. Er kann jedoch eine Gestalt (vor allem in Bewegung) noch in größter Entfernung wahrnehmen.

Das Sehbild eines Wolfes im Nahbereich gleicht also in etwa einem unscharfen Foto. Die ausdrucksstarken, deutlich erkennbaren Gesichtsmerkmale und die Ohren sind für die gegenseitige Wahrnehmung deshalb besonders wichtig. Hingegen wird sogar eine 3m entfernte Fliege noch problemlos scharf vom Auge erkannt.

Seine wahre Besonderheit zeigt das Wolfsauge in der Nacht. Auch bei tiefster Dunkelheit sehen sie noch gut genug, um effektiv jagen zu können. Sie sehen bei Dunkelheit nicht nur mehr, sondern auch viel weiter. Der Grund dafür ist die große Anzahl von Stäbchen auf der Netzhaut, die auch auf geringe Lichtintensitäten reagieren. Weiter verfügen Wölfe über eine Schicht hinter den Stäbchen, die das Rest-Tageslicht konzentriert reflektiert und somit optimal nutzt.

Ob der Wolf in Farbe sieht oder nicht, ist unklar – er nimmt jedenfalls ein anderes Farbenspektrum wahr als die Zweibeiner.

 

Geruchsinn

Der wichtigste Sinn des Wolfes! Seine Beute kann ein Wolf auf bis zu 3 Km Entfernung riechen. Spuren können noch nach drei Tagen wahrgenommen werden. Diese enorme Sensibilität beruht auf einer vergrößerten Oberfläche des Riechepithels. Wie vieles andere ist auch der Geruchsinn beim Wolf ein wichtiges Mittel zur Kommunikation. So erkennen sie sich gegenseitig am Geruch und markieren mit individuellen Duftmarken auch ihr Territorium.

 

Sozialverhalten und Rangordnung

Wölfe leben in großen Familienverbänden. Ein Rudel zählt zwischen zwei bis ca. 20 Tiere. Abhängig davon, wie viel Nahrung zur Verfügung steht (Das nachweislich größte Wolfsrudel zählte einige Zeit lang 36 Wölfe).

Das Wolfsrudel setzt sich gewöhnlich aus den Elterntieren, aus den Welpen und den Jährlingen (Welpen des vergangenen Jahres) zusammen. Zusätzlich können auch ältere Tiere oder zugewanderte Tiere den Familienverband ergänzen.

Das Gemeinschaftsleben der Wölfe ist durch eine geschlechtsspezifische Rangordnung gekennzeichnet. Sowohl die Rüden als auch die Wölfinnen haben jeweils ihre eigene Rangordnung. An der Spitze stehen die so genannten Alpha-Tiere: der Alpha-Wolf und die Alpha-Wölfin. In der Regel kommen nur diese beiden Tiere zur Fortpflanzung. Die Welpen werden aber auch von den übrigen Rudelmitgliedern versorgt.

Die Rangordnung der männlichen Tiere ist labiler als die der Weibchen. Durch spielerische Auseinandersetzungen wird sie immer wieder auf die Probe gestellt. Zeigt der Alpha-Wolf Anzeichen von Schwäche, können die Auseinandersetzungen ernsthaften Charakter annehmen. Dies kann mit der Ablösung des bisherigen Alpha-Wolfes enden, der das Rudel normalerweise verlässt. Die Alpha-Wölfin behält hingegen ihren Rang weitaus länger. Sie ist es deshalb, die langfristig das Rudel dominiert.

Je höher im Rang, desto größer die Gleichberechtigung zwischen Wolf und Wölfin. Am oberen Ende der Kette ist es nicht unbedingt eine Seltenheit, dass eine Wölfin einen Wolf in die Schranken weist - es ist somit auch nicht ungewöhnlich, wenn ein Rudel von einer Wölfin angeführt wird.

An der Jagd nach Nahrung ist das gesamte Rudel beteiligt.

 

Positionen im Wolfsrudel

Alphawölfe:
Die Anführer des Rudels. Eltern der meisten Angehörigen des Rudels. Die Autorität unterstrichen durch Erziehungsmaßnahmen gegenüber den Abkömmlingen, aber auch gegenüber den anderen Mitgliedern des Rudels. Alpha-Wölfe sind normalerweise voll ausgewachsen und halten ihre Führungsposition über einen Zeitraum von mehreren Jahren.

Betawölfe:
Beta-Wölfe sind die "stellvertretenden Leiter" im Rudel. Dem Alpha-Pärchen untergeben, aber noch über den anderen Rudelmitgliedern stehend.

Untergebene Wölfe:
Normalerweise jüngere Wölfe, manchmal aber auch alte Wölfe (Zuwanderer etc.) Diese im Rang niedriger stehenden Wölfe spielen eine wichtige Rolle bei der Aufzucht und dem Füttern der Welpen. Im Umfeld der Höhle sind sie von den wirklichen Eltern nur schwer zu unterscheiden. Die Anzahl der überlebenden Welpen hängt oft allein von der zusätzlichen Fürsorge der untergebenen Wölfe ab.

Omegawolf:
Bei einem größeren Rudel wird manchmal ein Wolf untersten Ranges zur Zielscheibe der angestauten Aggressionen. Solche Wölfe verlassen jedoch, wenn sie die Möglichkeit haben, das Rudel. Sie suchen sich einen neuen Lebensraum oder gründen sogar eigene Rudel. (Anmerkung: Es gibt Forscher, die der Meinung sind das es Omegas nur bei Rudeln in Gefangenschaft auftritt, weil bei diesen die Möglichkeit zur natürlichen Abwanderung fehlt)

 

Aufzucht der Welpen

Ein Wurf kann fünf bis vierzehn Welpen umfassen - im Durchschnitt sind es sechs. Die Neugeborenen sind blind, taub, haben wolliges Fellhaar, weiche Schlappohren und wiegen etwa 500g. Etwa zwei Wochen nach der Geburt öffnen sie die Augen und beginnen zu laufen. In den ersten Wochen ihres Lebens können die Welpen ihre Körpertemperatur noch nicht selber regeln und müssen von der Mutter gewärmt werden. Nach drei Wochen können sie hören und verlassen zum ersten Mal die Höhle zum spielen. Die Augen sind anfangs blau und werden später gelb, grau oder braun.

Bis zum Alter von drei Monaten werden die Welpen von der Mutter gesäugt. Relativ früh werden die Welpen auch schon an fleischliche Nahrung gewöhnt. Die erwachsenen Wölfe verdauen die Nahrung im Magen vor und würgen den dabei entstandenen Brei für die Kleinen wieder hervor.

Wenn die Wölfe von der Jagd kommen, stupsen die Kleinen mit der Schnauze immer wieder in die Mundwinkel der anderen Wölfe. Dieses Verhalten löst den Reiz aus, um die vorverdaute Nahrung auszuwürgen (Das kann später auch eine Unterwürfigkeitsgeste erwachsener Wölfe sein - zum Beispiel nach einer Rangelei im Rudel – und bedeutet "Ich bin noch klein, tu mir nichts!").

Wölfe sind fürsorgliche Eltern, allerdings werden die Welpen nicht "automatisch" gefüttert: die Welpen müssen aktiv durch Demuts- oder Unterwürfigkeitsgesten bei den erwachsenen Wölfen um Futter betteln. Das steigert die Bindung der aufwachsenden Welpen an ihre Mutter und ihr Rudel. Die Wölfin bleibt dicht bei den Welpen. Sie braucht sie normalerweise auch nicht zur Nahrungssuche verlassen, da der Vater und die anderen Familienmitglieder das Futter bringen. Wölfe schaffen das Futter aus einem Umkreis von ca. 30 km herbei. Bei größeren Rudeln sind alle Wölfe in die Aufzucht des Nachwuchses eingebunden. Ob Babysitter, wenn andere auf die Jagd gehen, oder als Nahrungs-Transportmittel für die Kleinen. Auf diese Weise wird der Zusammenhalt im Rudel gefestigt und Auseinandersetzungen vermieden.

Die Sterblichkeit der Welpen ist bei Wölfen hoch - etwa ein Viertel der geborenen Tiere erreichen nicht das Erwachsenenalter.

Im Alter von ein bis drei Jahren verlassen meist einige Jungwölfe das Rudel, um sich selbst auf die Suche nach einem neuen Lebensraum zu machen.

 
 

Kommunikation

Das Familienleben der Wölfe ist ausgesprochen freundlich. Eine vielfältige Sprache, bei der neben Knurren, Winseln, Bellen, Fiepen und anderen Lauten auch die Haltung des Schwanzes, die Stellung der Ohren und der Ausdruck des Gesichts eine Rolle spielen, dient zur Kommunikation.

Wölfe verwenden Mimik, Lautäußerungen, Kopf- und Schwanzhaltung und Gestik als Signale, die von den anderen Wölfen gedeutet werden können und somit Stimmungen ausdrücken und Verhaltensabsichten und Handlungstendenzen ankündigen. Dies ermöglicht es den Wölfen, körperliche Auseinandersetzungen zu vermeiden. Ihre Kommunikation umfasst Signale und komplexe Verhaltensweisen, mittels derer das Verhalten anderer Rudelmitglieder beeinflusst oder verändert wird. Der vermeintlich feindselige und mitunter aggressive Umgang miteinander verhindert ernsthafte Auseinandersetzungen.

 
Lautsprache

Heulen:
Wenn mehrere Wölfe heulen, harmonisieren sie den Klang, so dass der Eindruck erweckt wird, als ob viel mehr Wölfe am Geheul teilnehmen, als tatsächlich der Fall ist. Das Wolfsgeheul dient dem Rudel, vor allem vor und nach der Jagd, als Rufzeichen, sich zu versammeln. Ferner wird es im Umfeld der Höhle als Alarmzeichen benutzt, außerdem als Signal z.B. in einem Schneesturm und während des Aufenthalts in Fremdgebieten oder einfach als Kontaktruf über größere Entfernungen.
Häufig scheinen Wölfe aber auch nur aus "Spaß an der Sache" zu heulen. Es dient offensichtlich auch dem Zusammenhalt des Rudels und der "akustischen" Reviermarkierung um anderen Wölfen mitzuteilen "Hier ist unser Revier!"

Bellen:
Wölfe bellen kaum. Wenn sie bellen, geben sie nur kurze, leise ausgestoßene Wuffs von sich - zum Beispiel, wenn ein Fremder sich der Höhle nähert. Das Bellen dient in diesem Fall als Hilferuf, um das Rudel im Revier über die Gefahr bei der Höhle zu unterrichten.

Knurren:
Das Knurren ist häufig bei der Futteraufnahme und den dabei vorkommenden Streitereien zu hören. Es dient der Selbstbehauptung innerhalb der Gemeinschaft, und ist, wie das Bellen, eine Drohgebärde. Es wird aber eher von den spielenden Welpen gebraucht. Sie knurren, wenn sie an der Halskrause eines älteren Wolfs zerren, und versuchen sogar manchmal, mit ihrem Knurren einem erwachsenen Wolf das Fressen streitig zu machen. Eine besondere Art des Knurrens fängt mit einem hohen Jaulen an und endet meist mit einem Sprung nach vorn. Es wird eingesetzt, wenn ein Wolf nach einem anderen schnappt.

Jaulen und Winseln:
Das Jaulen und die gemeinschaftlichen Winseltöne werden vermutliche von den Wölfen eingesetzt, um Vertrautheit und Intimität auszudrücken. zum Beispiel beim Grüßen, Füttern, Spielen oder in ähnlichen Situationen.

 

Ernährung und Jagdtechnik

Beutetiere

Der Wolf benötigt ca. 5 kg Fleisch am Tag. Abhängig vom Lebensraum ernährt er sich von Rehwild, Rentieren, Elchen, Moschusochsen, Hasen etc. Ist das Nahrungsangebot nicht so üppig, verschmäht er auch Mäuse oder wilde Beeren und Früchte nicht.

Zwar ist der Wolf ein Fleischfresser, aber er ist auch auf Vitamine und andere wichtige Bestandteile pflanzlicher Nahrung angewiesen. In erster Linie holt er sich aber diese wichtigen Nahrungsbestandteile aus den vorverdauten Pflanzenresten in den Mägen seiner Beutetiere. Es gibt sogar Wölfe, die sich auf Fischfang spezialisiert haben. Aas wird, sofern es nicht schon zu weit vergammelt ist, ebenfalls nicht verschmäht.

Wölfe machen allerdings bevorzugt Jagd auf größere Beutetiere. Aber gerade wegen ihrer Größe sind diese Tiere natürlich schwieriger zu erbeuten. Sie sind häufig sehr flink, zum Teil auch gewandte Kletterer (Steinböcke). Fast alle können sich auch gut verteidigen. Huftiere können durch einen harten Tritt leicht die Knochen eines Wolfs brechen. Steinböcke und Moschusochsen sind von Natur aus aggressiv und sehr stark und auch Elche sind nicht zu unterschätzen. Aus all diesen Gründen suchen sich Wölfe eher lahme, kranke oder erschöpfte Tiere als Beute.

Wölfe können rund 14 Tage ohne Nahrung auskommen. Allerdings wird die Jagd dann zunehmend schwerer für sie. Aber auch wenn die Wölfe ein großes Nahrungsangebot vorfinden, bedeutet das nicht, dass sie bei ihrer Jagd auch erfolgreich sind. Wölfen gelingt es nicht immer die ausgewählte Beute zu erjagen. Genaugenommen schlägt der größte Teil ihrer Versuche fehl. Zwar erreichen Wölfe bei der Verfolgung eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 65 km/h, lassen aber oft schon nach tausend Metern von der Beute ab.

Selbst wenn die Jagd erfolgreich ist, kann es oft mehrere Tage dauern bis die Beute erlegt ist. Oft ziehen Wölfe tagelang mit den Herden um ein geeignetes Tier ausfindig zu machen.

 
Taktik

Die Jagd gehört zu den wichtigsten sozialen Unternehmungen eines Wolfsrudels. Wolfswelpen lernen bald nach ihrer Geburt die Beute ihres Gebietes kennen. Eltern und Geschwister nehmen sie dann später mit auf die Jagd. Vorher versuchen sich die Kleinen zuerst spielerisch und dann schon immer erfolgreicher an Mäusen und Hasen.

Als Rudeltier arbeiten Wölfe auf der Jagd im Team zusammen. Je nach Gelände und Beuteart verwenden sie verschiedene Jagdtaktiken. Wenn genügend Deckungsmöglichkeiten vorhanden sind, versuchen sie ihre Beute einzukreisen, um sie dann gemeinsam anzugreifen oder sich gegenseitig zuzutreiben. Aus Tierherden suchen sie sich meist alte, schwache oder verletzte Tiere aus und versuchen sie von der Herde zu trennen. In deckungsarmen Gebieten führt meist eine Hetzjagd zum Erfolg. Ein von der Herde abgetrenntes Tier wird vom gesamten Rudel verfolgt. Häufig wechseln sich die Wölfe an der Spitze ab, so dass sich das bisherige "Leittier" ein wenig erholen kann. Im tiefen Schnee hat diese Taktik einen weiteren Vorteil. Der vordere Wolf spielt sozusagen den "Schneepflug" und macht den Weg für das nachfolgende Rudel frei. Besonders hier muss der zuvorderst laufende Wolf öfters von einem Kollegen abgelöst werden, da das Laufen im Tiefschnee sehr kräftezehrend ist.

Je nach Verteidigungstaktik der Beute und der Beschaffenheit des Jagdgebietes wird der Angriff also abgestimmt. Immer jedoch arbeiten die Wölfe im Teamwork und mit Arbeitsteilung (einige bewachen oder hetzen das Tier, andere lauern im Hinterhalt bzw. ruhen aus und sammeln neue Kraft... je nach Taktik)

Während die Jäger sich also abwechseln und mit ihren Kräften haushalten können, steht ihr Opfer ständig unter dem Drang sich zu verteidigen bzw. zu flüchten. Wenn die Beute dann genügend erschöpft und/oder erreicht ist, versuchen die Wölfe, besonders bei größeren Tieren, sie erst einmal zu verletzen, um sie weiter zu schwächen. Ein eingekreistes Tier wird häufig von allen Seiten gleichzeitig attackiert. Häufige Angriffspunkte sind die Beine, um die Sehnen zu zerreißen, die Kehle und der Hals, die Bauchunterseite, um die Bauchdecke aufzureißen und oft wird versucht, das gestellte Opfer am empfindlichen Äser zu packen und durch Drehen und Zerren zu Boden zu ringen. Die Beute kann sich immer nur nach einer Seite zur Wehr setzen und während einige Rudelmitglieder das Tier ablenken, versuchen die anderen es zu packen und zu Fall zu bringen. Liegt die Beute erst einmal am Boden, wird sie festgehalten und zerrissen. Dies kann mehrere Minuten dauern und wirkt auf den ersten Blick brutal, doch ist auch zu bedenken, dass sich auf jeder "Großwildjagd" auch die Wölfe in große Gefahr begeben. Ein durch Huftritte schwer verletzter Wolf, mit eventuell sogar gebrochenen Knochen, ist verloren.

Die Taktik der Langzeitjagd bewährt sich vor allem gegen Wiederkäuer, wie zum Beispiel Hirsche. Ein Hirsch ist schnell und kräftig, aber sein Ernährungssystem und sein komplizierter Verdauungsapparat haben einen gravierenden Nachteil: Er muss seine pflanzliche Nahrung in bestimmten Zeitabständen wieder hochwürgen und erneut mit dem Gebiss zerkleinern. Dieses Wiederkäuen kann nur in Ruheposition durchgeführt werden, also im Liegen oder Stehen. Wird ein Hirsch nun über Stunden oder gar Tage durch eine ruhige, aber lang andauernde Jagd (der Hirsch wird nicht gehetzt, sonder nur am Ruhen und Wiederkäuen gehindert) gestört, wird das nur teilweise zerkleinerte Grünfutter bald zu Koliken und damit zu Schmerzen führen. Während die Rudelmitglieder sich im "Wachdienst" und beim Schlafen ablösen, bekommt der Hirsch überhaupt keine Ruhepause. Das geschwächte Tier kann sich dann kaum noch verteidigen und wird zur leichten Beute.

Eine andere Taktik bei großen, gefährlichen Tieren wie z.B. Moschusochsen ist, die Beute in Sicherheit zu wiegen. Das Rudel kreist die Herde ein, die sich sofort formatiert (wobei um die Kälber, schwachen und kranken Tiere ein Kreis gebildet wird). Nach dem fehlgeschlagenen Angriff zieht sich das Rudel zurück und gibt sich scheinbar geschlagen, nur um dann nach einiger Zeit des Beobachtens bei Unachtsamkeit der Herde überraschend anzugreifen. Das Beutetier wird von der Herde abgedrängt, eingekreist und getötet. Hat ein Wolfsrudel ein Tier erlegt, so fressen alle gemeinsam. Es ist von der Rangordnung abhängig, wer hier die besten Stücke bekommt, aber für jeden Wolf fällt etwas ab. Hierbei wird das Beutetier bis auf die Knochen vertilgt. Was das Wolfsrudel nicht fressen kann, wird vergraben und dient als Vorrat für später. Sind andere Wölfe bei den Welpen in der Höhle geblieben, so wird auch für diese Wölfe Nahrung mitgenommen.

Je nach Geographie, Jahreszeit, Beuteart usw. werden zahlreiche verschiedene Strategien und Taktiken angewandt. Jedes Rudel hat eigene Vorlieben für bestimmte Beutetiere, Jagdtaktiken und Traditionen entwickelt, die an die Jungen weitergegeben werden.

 

Wolfsbündnis – Der Bund zwischen Elfen und Wölfen

„Sie wollten überleben, so mussten sie lernen, in dieser Welt zu leben. Eine der ersten die das schaffte, war Timmain, die Selbstformerin, die ein Bündnis mit den Wölfen einging ... Timmain war bald mehr Wölfin als Hohe. So zeugte sie mit einem Wolf Timmorn Gelbauge, den ersten unter vielen wolfblütigen Elfen. Den ersten Anführer der Wolfsreiter“

Wolfsbündnis ist eine Gabe, die den wolfsblütigen Elfen – teils durch ihr Blut, teils durch Magie - erlaubt eine empathische Bindung zu einem Wolf einzugehen. Diese starke Bindung erlaubt zwischen Elf/e und Tier eine Kommunikation durch Gefühle, Empfindungen und einfachen Gedanken. Das Bündnis kann nur mit einem Wolf, nie mit mehreren gleichzeitig erfolgen. Die Elfen können zwar mehrere Tiere zum Freund haben, jedoch nur mit einem Wolf ein Bündnis dieser Tiefe und Innigkeit eingehen. Je mehr Wolfsblut ein/e Elf/e besitzt, desto stärker ist das Bündnis. In manchen Fällen ähnelt es sogar einem Seelenbündnis. Auch durch magische Begabung kann das Bündnis verstärkt werden.
Das Bündnis zwischen Elf/e und Wolf ist – sobald es einmal eingegangen wurde – unwiderruflich und besteht bis zum Tod eines der beiden Gefährten. Meistens beendet der Tod des Tierfreundes das Bündnis, da die Elfen länger leben. Der Verlust des Gefährten ist ein einschneidendes Erlebnis (für beide Seiten). Je enger der Bund, desto traumatischer. Doch wird der Tod generell als Teil der Natur und des Wegs akzeptiert. Aufgrund ihrer langen Lebensdauer gehen die meisten Elfen mehrere solcher Bündnisse ein. Oft wird der zukünftige Wolfsfreund unter den Welpen oder Jungwölfen des Rudels gefunden, doch muss das nicht immer der Fall sein. Es kommt auch vor das rudelfremde Wölfe den Bund mit einem wolfsblütigen Elfen eingehen.

(In Anlehnung an „Elfquest roleplaying game sourcebook“)

 

Quellen:
www.amarok-greywolf.de
www.wolf-kinderclub.de
www.lausitzer-woelfe.de
www.tierenzyclopaedie.de
www.natur-lexikon.com

 
zusammengestellt von Icefire